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Zum Hauptdokument : Verwaltungsrichtlinie Wahrnehmung der behördlichen Aufsicht gemäß § 72 Infektionsschutzgesetz im Bereich der Eisenbahnen des Bundes



Anhang I der Verwaltungsrichtlinie vom 01.01.2003 zur Wahrnehmung der behördlichen Aufsicht gemäß § 72 Infektionsschutzgesetz



Anforderungen an das Betreiben
von ortsfesten Anlagen zur Trinkwasserversorgung
von Schienenfahrzeugen im Bereich
der Eisenbahnen des Bundes
(Trinkwasserfüllanlagen)



Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel überhaupt. Seine ununterbrochene Verfügbarkeit in ausreichender Menge und einwandfreier Qualität ist eine wichtige Existenzgrundlage im dichtbesiedelten Industriestandort Deutschland. Die Gewährleistung einer einwandfreien Trinkwasserqualität besitzt daher heutzutage eine hohe Priorität und unterliegt europaweit einem strengen Trinkwasserrecht. Die Versorgung mit Trinkwasser in einwandfreier Beschaffenheit stellt hohe Anforderungen an den Betriebszustand der Trinkwasserverteilungsanlagen. Die Überwachung der Trinkwasserfüllanlagen durch die zuständige Behörde Eisenbahn-Bundesamt (EBA) und auch durch die Betreiber der einzelnen Anlagen selbst erhält damit eine besondere Bedeutung.

Dieser Anhang wurde durch das EBA herausgegeben, um im Bereich der Eisenbahnen des Bundes den Betreibern von Trinkwasserfüllanlagen für Schienenfahrzeuge ein geeignetes Anleitungsmaterial zur Verfügung zu stellen und um eine bundesweit einheitliche Verfahrensweise bei Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung dieser Anlagen zu gewährleisten.

Stand: 01.07.2004




Kapitel

Inhalt

Seite

1.

Allgemeines

3

2.

Anzeigepflichten des Betreibers

3

3.

Hygienische Überwachung der Anlagen

3

4.

Anforderungen an Bauteile, Apparate und Werkstoffe

5

5.

Trinkwasserleitungen

5

6.

Nutzung der Trinkwasserleitungen und -entnahmestellen

6

7.

Umgang mit Hydranten, Standrohren und Trinkwasserfüllschläuchen

7

8.

Desinfektion

8

9.

Dokumentation

8

10.

Trinkwasserbefüllung und Abwasserentsorgung in einer Anlage

8



1. Allgemeines



(1.1.) Eine Trinkwasserfüllanlage besteht aus einer oder mehreren Trinkwasserversorgungsstellen (z.B. Unterflurhydrant mit Standrohr, Schlauch und Kupplung) an einem Gleis oder zwischen zwei Gleisen, aus denen Trinkwasser für Schienenfahrzeuge entnommen wird, welches in diesen Fahrzeugen im Sinne der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) als Wasser für den menschlichen Gebrauch (z.B. Genuss, Duschen oder Händereinigung) vorgesehen ist.

(1.2.) Für die Einhaltung der für Trinkwasserfüllanlagen geltenden Bestimmungen bezüglich der Vorhaltung und des hygienisch-technisch einwandfreien Zustandes der Anlage sowie der einwandfreien Trinkwasserbeschaffenheit [z.B. Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG), Trinkwasserverordnung (TrinkwV), Unfallverhütungsvorschriften sowie die anerkannten Regeln der Technik] ist der Betreiber der Anlage verantwortlich. Die Gewährleistung einer ordnungsgemäßen Versorgung der Schienenfahrzeuge im Bereich der Eisenbahnen des Bundes mit Trinkwasser erfordert über die Problematik belehrte, fachkundige und zuverlässige Mitarbeiter.



2. Anzeigepflichten des Betreibers



(2.1.) Bei geplanter Errichtung, erstmaliger Inbetriebnahme, Wiederinbetriebnahme, baulichen oder betriebstechnischen Änderungen an wasserführenden Teilen oder Übergang des Eigentums oder Nutzungsrechtes einer Trinkwasserfüllanlage ist dies gemäß § 13 Abs. 1 Trinkwasserverordnung (TrinkwV)1 mindestens vier Wochen vorher dem EBA anzuzeigen.

Die vollständige oder teilweise Stillegung ist innerhalb von drei Tagen anzuzeigen.

Unverzügliche Anzeigepflicht besteht gemäß § 16 Abs.1 und Anlage 3 lfd. Nr. 9, 10 und 17 Trinkwasserverordnung, wenn:

□ die festgelegten mikrobiologischen und chemischen Grenzwerte und Anforderungen nach Anlage 1, 2 und 3 der TrinkwV überschritten werden,

□ die Koloniezahl und die Trübung plötzlich und kontinuierlich ansteigt,

□ grobsinnlich wahrnehmbare Veränderungen des Wassers festgestellt werden,

□ außergewöhnliche Vorkommnisse an der Wasserversorgungsanlage erfolgen.

Gemäß § 16 Abs. 2 Trinkwasserverordnung sind die Eisenbahnen des Bundes verpflichtet, unverzüglich Untersuchungen zur Aufklärung der Ursache und Sofortmaßnahmen zur Abhilfe durchzuführen oder durchführen zu lassen. Die Sofortmaßnahmen sind gemäß dem "Maßnahmeplan über Abhilfemaßnahmen bei Parameterüberschreitungen in Wasser für den menschlichen Gebrauch in Schienenfahrzeugen für Personenbeförderung und der Trinkwasserfüllanlagen im DB Konzern", zugestimmt vom EBA am 14.01.2003, durchzuführen.

(2.2.) Der Hersteller und Betreiber der Anlage hat alle von ihm festgestellten Einflüsse, durch die die menschliche Gesundheit geschädigt werden kann, dem EBA unverzüglich mitzuteilen.



3. Hygienische Überwachung der Anlagen



(3.1.) Trinkwasserbehälter aller Schienenfahrzeuge dürfen nur mit Trinkwasser aus öffentlichen oder hygienisch überwachten bahneigenen Trinkwasserfüllanlagen gefüllt werden.

(3.2.) Auf der Grundlage der Trinkwasserverordnung § 14 Abs. 6 wird festgelegt, dass vor der Inbetriebnahme, vor der Wiederinbetriebnahme und bei der Inbetriebnahme nach baulichen oder betriebstechnischen Änderungen einer Trinkwasserfüllanlage die ordnungsgemäße Ausführung der Trinkwasserversorgungsanlage durch folgende Untersuchungen nachzuweisen ist.

□ eine mikrobiologische Trinkwasseruntersuchung an jeder Entnahmestelle und

□ eine chemischen Trinkwasseruntersuchung pro Trinkwasserfüllanlage

Dabei sind alle unter Punkt 3.3 genannten Parameter zu untersuchen.

Das Ergebnis dieser Untersuchung (Befund) muss bei der Abnahme der Anlage dem EBA vorgelegt werden, dabei darf die Probenentnahme nicht länger als 3 Wochen zurückliegen.

(3.3.) Im Rahmen der hygienischen Überwachung sind aus allen Trinkwasserfüllanlagen regelmäßig halbjährliche bzw. jährliche mikrobiologische und chemische Trinkwasseruntersuchungen erforderlich:

mikrobiologische Untersuchungsparameter


Escherichia coli (E. Coli)

halbjährlich

Enterokokken

halbjährlich

Coliforme Bakterien

halbjährlich

Koloniezahl bei 22°C

halbjährlich

Koloniezahl bei 36°C

halbjährlich

chemische Untersuchungsparameter


Färbung

halbjährlich

Trübung

halbjährlich

Wasserstoffionen-Konzentration

halbjährlich

elektrische Leitfähigkeit

halbjährlich

Eisen

halbjährlich

Benzo-(a)-pyren

jährlich

Blei

jährlich

Epichlorhydrin

jährlich

Mangan

jährlich

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe

jährlich

Trihalogenmethane

jährlich

Vinylchlorid

jährlich



Der Betreiber hat dem EBA eine Zweitschrift des Untersuchungsergebnisses innerhalb von zwei Wochen nach dem Zeitpunkt der Untersuchung zu übersenden.

Die Untersuchungsergebnisse sowie die Niederschriften des EBA über durchgeführte Prüfungen in Trinkwasserfüllanlagen sind vom Betreiber 10 Jahre lang aufzubewahren.

Für die Einhaltung der Untersuchungsfristen ist der Betreiber der Trinkwasserfüllanlage verantwortlich.

(3.4.) In ortsfesten Trinkwasserfüllanlagen erfolgt die Probenahme für die o.g. Untersuchungsparameter an der Trinkwasserfüllkupplung des am Hydranten angeschlossenen Trinkwasserfüllschlauches; lediglich beim Fehlen des Trinkwasserfüllschlauches wird die Probe direkt am Standrohr bzw. am Hydranten selbst entnommen.

(3.5.) Bei Befüllung mit Trinkwasser, das mit Chlor, mit Natrium- oder Calciumhypochlorit, mit Chlordioxid oder mit Ozon desinfiziert wird, sind gemäß § 14 Abs. 1 Punkt 5 Trinkwasserverordnung halbjährliche Untersuchungen zur Feststellung erforderlich, ob die in der "Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gemäß § 11 TrinkwV 2001"2 festgelegte Höchstkonzentration an freiem Chlor, Chlordioxid oder Ozon nach Abschluss der Aufbereitung nicht überschritten wird.

(3.6.) Bei den Trinkwasseruntersuchungen sind die in Anlage 5 Trinkwasserverordnung bezeichneten Untersuchungsverfahren anzuwenden.

Die Trinkwasseruntersuchungen dürfen nur von solchen Untersuchungsstellen durchgeführt werden, die

□ nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik arbeiten,

□ über ein System der internen Qualitätssicherung verfügen,

□ sich mindestens einmal jährlich an externen Qualitätssicherungsprogrammen erfolgreich beteiligen,

□ über für die entsprechenden Tätigkeiten hinreichend qualifiziertes Personal verfügen und

□ eine Akkreditierung durch eine hierfür allgemein anerkannte Stelle erhalten haben.

(3.7.) Bei der Entnahme der Trinkwasserproben ist folgende Verfahrensweise gemäß DIN 38411, Teil 13, bezüglich der Vorbereitung zur mikrobiologischen Untersuchung zu beachten:

□ Verwendung von gereinigten bzw. sterilisierten Arbeitsgeräten,

□ Zapfhahn mehrere Male öffnen und schließen, um gegebenenfalls vorhandene Ablagerungen auszuspülen,

□ Zapfhahn so lange abflammen, bis deutliche Zischgeräusche wahrnehmbar sind,

□ Zapfhahn öffnen, Wasser mit bleistiftstarken Strahl 5 Minuten frei auslaufen lassen,

□ Probe unter sterilen Bedingungen entnehmen,

□ Probe ordnungsgemäß kennzeichnen.

Um eine Veränderung der mikrobiologischen Parameter in der Probe nach der Entnahme möglichst zu vermeiden, müssen die Proben in lichtundurchlässigen Isolierbehältern transportiert werden. Bei einem länger als 3 Stunden dauernden Transport ist für eine ausreichende Kühlung (4°C) unmittelbar nach der Entnahme bis zur Untersuchung zu sorgen.

(3.8.) Die Festlegungen der DIN EN ISO 5667-34 bezüglich der Vorkehrungen, die bei der Konservierung und dem Transport aller Wasserproben, einschließlich derer für biologische Untersuchungen, zu erfolgen haben, sind einzuhalten.

(3.9.) Die Festlegung von Maßnahmen bei Überschreitung der in der Trinkwasserverordnung festgelegten Grenzwerte und Anforderungen erfolgt auf der Grundlage des § 39 Abs. 2 des Infektionsschutzgesetzes5 ausschließlich durch das EBA.



4. Anforderungen an Bauteile, Apparate und Werkstoffe



(4.1.) Für alle in der Trinkwasserfüllanlage mit dem Trinkwasser bestimmungsgemäß in Berührung kommenden Anlagenteile dürfen nur Werkstoffe und Materialien verwendet werden, die in Kontakt mit Wasser Stoffe nicht in solchen Konzentrationen abgeben, die höher sind als nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik unvermeidbar, oder den nach der Trinkwasserverordnung vorgesehenen Schutz der menschlichen Gesundheit unmittelbar oder mittelbar mindern, oder den Geruch oder den Geschmack des Wassers verändern. Diese Anforderung gilt als erfüllt, wenn bei Planung, Bau und Betrieb der Anlagen mindestens die allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden.

Die verwendeten Werkstoffe müssen den Anforderungen der DIN 1988, Teil 26 und der DIN EN 17177 entsprechen.

(4.2.) Die für die Trinkwasserfüllanlage verwendeten Kunststoffe und andere nichtmetallische Werkstoffe (z.B. Füllschläuche) müssen nach den KTW-Empfehlungen8 und der Technischen Regel W 2709 der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW) für Trinkwasserzwecke zugelassen sein.

(4.3.) Die Festlegungen der DIN 200010, Punkt 6.6.1, zu den mikrobiologischen und hygienischen Anforderungen für die mit dem Wasser in Berührung kommenden Anlagenteile (Bau- und Werkstoffe, Anstrichstoffe, Dichtungen usw.) sind zu beachten.

(4.4.) Zementgebundene Werkstoffe müssen die Anforderungen der Technischen Regel W 34711 des DVGW erfüllen.



5. Trinkwasserleitungen



(5.1.) Die Rohrdurchmesser der Trinkwasserleitungen müssen so bemessen werden, dass im Leitungsnetz eine verstärkte Stagnation des Trinkwassers durch zu große Rohrdurchmesser vermieden wird. Rohrleitungen, in denen das Wasser längere Zeit stagniert, sind von Nachteil; das Trinkwasser kann dort in seiner Beschaffenheit nachteilig beeinflusst werden (mangelnde Schutzschichtausbildung, Sauerstoffschwund, Vereisenung und Trübung des Trinkwassers, Vermehrung der Mikroorganismen usw.).

(5.2.) Trinkwasserleitungen dürfen gemäß DIN 1988, Teil 412, nicht durch Anlagen der Abwasserentsorgung (z.B. Fäkalien- und Sickergruben, Schächte der Grundstücksentwässerung, Abflusskanäle und dergleichen) geführt werden.

(5.3.) Bei Annäherung von Trinkwasserleitungen an Abwasserleitungen (Abstand < 1 m) dürfen die Trinkwasserleitungen gemäß DIN 1988, Teil 2, nicht tiefer als die Abwasserleitungen liegen.

(5.4.) Die Verlegetiefe ist so auszuwählen, dass im Sommer keine unzulässige Erwärmung des Trinkwassers auftritt.

(5.5.) Spül- und Entleerungsvorrichtungen, deren Auslauf im Bereich einer möglichen Schmutzwasserbeeinträchtigung endet, müssen gemäß DIN 1988, Teil 4, gegen von außen eindringendes Wasser abgesichert sein.

(5.6.) Trinkwasserfüllanlagen, aus denen Wasser für den menschlichen Gebrauch abgegeben wird, dürfen gemäß § 17 Abs. 2 Trinkwasserverordnung nicht mit wasserführenden Teilen verbunden werden, in denen sich Wasser befindet oder fortgeleitet wird, das nicht für den menschlichen Gebrauch im Sinne der Trinkwasserverordnung bestimmt ist. Der Betreiber einer Trinkwasserfüllanlage hat die Leitungen unterschiedlicher Versorgungssysteme beim Einbau dauerhaft farblich unterschiedlich zu kennzeichnen oder kennzeichnen zu lassen. Weiterhin hat er Entnahmestellen von Wasser, das nicht für den menschlichen Gebrauch im Sinne der Trinkwasserverordnung bestimmt ist, bei der Errichtung dauerhaft als solche zu kennzeichnen oder kennzeichnen zu lassen.

Beispiel:

Am Standrohr des Unterflurhydranten ist außer dem Anschluss für Trinkwasser noch ein zusätzlicher zweiter Anschluss für die Kühlwasser-Betankung geplant. Um zu verhindern, dass bei Druckabfall im Trinkwassernetz mit Frostschutzmittel versetztes Kühlwasser aus dem Kühler des Schienenfahrzeuges in dieses Netz zurückgesaugt wird, ist am Standrohr vor der Kupplungsstelle des Kühlwasser-Füllschlauches eine Sicherungsarmatur gemäß DIN EN 1717 einzubauen.

Der Kühlwasser-Füllschlauch ist eindeutig mit dem Hinweis "Nur für Kühlwasser-Betankung" und der Trinkwasserfüllschlauch mit dem Hinweis "Nur für Trinkwasser-Betankung" zu kennzeichnen. Diese Kennzeichnung ist erforderlich, um zu vermeiden, dass der für Trinkwasser zugelassene Schlauch für die Betankung von Kühlwasser verwendet wird.

Besteht die Notwendigkeit, Geräte ohne DVGW-Prüfzeichen an Trinkwasserzapfstellen anzuschließen, sind an diesen Anschlüssen Sicherungsarmaturen gemäß DIN EN 1717 einzubauen. Damit soll verhindert werden, dass Stagnationswasser aus den Anschluss-Schläuchen der angeschlossenen Geräte bei Druckabfall im Versorgungsnetz in die Trinkwasserleitung zurückfließen kann. Dies trifft nicht zu bei Geräten, die durch DVGW-Prüfzeichen (DVGW-, DIN/DVGW- oder DVGW-GS-Zeichen) gekennzeichnet sind.

(5.7.) Sind Feuerlösch- und Brandschutzanlagen mit der Trinkwasserfüllanlage verbunden, stellen sie eine Gefahr für das Trinkwasser dar. Bei Planung, Bau und Betrieb von Feuerlösch- und Brandschutzanlagen im Anschluss an Trinkwasserinstallationen muss daher darauf geachtet werden, dass sich entweder stagnierendes Wasser nicht bilden kann oder aber, dass es mit Sicherheit von der Trinkwasserversorgungsanlage ferngehalten wird.13



6. Nutzung der Trinkwasserleitungen und -entnahmestellen



(6.1.) Auf der Grundlage der Trinkwasserverordnung § 20, Abs. 1 wird festgelegt, dass bei Trinkwasserfüllanlagen, die länger als 4 Wochen nicht für Betankungszwecke genutzt wurden und keine Anzeige nach Punkt 2 dieses Anhangs erfolgt ist, vor der erneuten Inbetriebnahme durch eine mikrobiologische und chemische Trinkwasseruntersuchung aus mindestens einem Hydranten der Trinkwasserfüllanlage gegenüber dem EBA nachzuweisen ist, dass die Grenzwerte und Anforderungen der Trinkwasserverordnung eingehalten werden.

(6.2.) Als Entnahmeort für die Probe ist bei Stichleitungen der Hydrant vorzusehen, der sich am Ende der Stichleitung befindet. Bei Ringleitungen gibt es bezüglich des Entnahmeortes keine konkreten Festlegungen. Das Entnahmedatum der Probe darf nicht länger als 3 Wochen zurückliegen.

(6.3.) Befinden sich innerhalb einer weiterhin genutzten Trinkwasserfüllanlage vereinzelte Hydranten, die nicht mehr für die Trinkwasserbetankung von Schienenfahrzeugen benutzt werden, sind diese mit den Worten "Kein Trinkwasser" schriftlich oder bildlich (Verbotszeichen P 005 nach DIN 4844, Teil 214 bzw. Zeichen P 05 der GUV 0.715) zu kennzeichnen. Weiterhin ist in geeigneter Weise sicherzustellen, dass die in der Trink-wasserfüllanlage vorhandenen Füllschläuche nicht mehr an die außer Betrieb genommenen Hydranten anschließbar sind.

7. Umgang mit Hydranten, Standrohren und Trinkwasserfüllschläuchen



(7.1.) Es ist eine Betriebsanweisung in verständlicher Form und Sprache anzufertigen. Diese Betriebsanweisung muss die In- und Außerbetriebnahme der Anlage und den Arbeitsablauf bei der Trinkwasserbefüllung von Schienenfahrzeugen erklären und das Verhalten bei Störungen bzw. Unregelmäßigkeiten regeln. Die Betriebsanweisung ist den Beschäftigten gegen Unterschrift auszuhändigen und im Bereich der Trinkwasserfüllanlage oder an sonstiger geeigneter Stelle gut sichtbar auszuhängen bzw. auszulegen.

Wird die Trinkwasserbefüllung auch durch ausländische Mitarbeiter durchgeführt, die die deutsche Sprache nicht oder nur unvollständig beherrschen, ist die Betriebsanweisung zusätzlich in der jeweiligen Fremdsprache zu erstellen.

(7.2.) Alle Mitarbeiter, die die Trinkwasserbefüllung von Schienenfahrzeugen durchführen, müssen über den ordnungsgemäßen Ablauf eines Füllvorganges und den Umgang mit der Fülltechnik regelmäßig (mindestens 1 x jährlich) aktenkundig gegen Unterschrift belehrt werden. Dazu zählen auch die Vermittlung der Grundsatzfestlegungen aus der Trinkwasserverordnung und dem Infektionsschutzgesetz und den daraus resultierenden Ordnungswidrigkeits-, Straf- und Bußgeldvorschriften.

Die Kenntnis der in Verbindung mit dem Lebensmittel Trinkwasser geltenden Rechtsvorschriften und das Wissen um die Kontaminationsmöglichkeiten des Trinkwassers in einer Trinkwasserfüllanlage ist oberstes Gebot. Nur so kann gewährleistet werden, dass dem Reisenden als Verbraucher ein Wasser zur Verfügung gestellt wird, dass den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht.

(7.3.) Trinkwasserfüllschläuche dürfen ausschließlich nur zur Übernahme von Trinkwasser für Schienenfahrzeuge dienen. Sie müssen so vorgehalten werden, dass die Schlauchkupplungsköpfe nicht mit dem Erdboden in Berührung kommen (Aufhängung). Die Kupplungsköpfe müssen Vorrichtungen besitzen, die für einen sicheren Schutz des Trinkwasserfüllschlauches vor Verunreinigungen sorgen (z. B. Schutzkappen).

(7.4.) Vor dem Ankuppeln des Trinkwasserfüllschlauches an das Schienenfahrzeug ist der Inhalt des Schlauches gründlich ablaufen zu lassen; bei Außentemperaturen über dem Gefrierpunkt ist der Füllstutzen am Fahrzeug abzuspritzen. Erst dann ist der Schlauch zum Füllen des Trinkwasserbehälters an den RIC-Füllstutzen anzuschließen.

Die automatisch schließende Trinkwasserfüll-Kupplung WK 9071 ermöglicht nicht das vorgeschriebene Ablaufenlassen des Schlauchinhaltes vor dem Ankuppeln an das Schienenfahrzeug. Aus diesem Grunde werden diese Kupplungen bei Trinkwasserfüllanlagen, die nicht mit einer automatischen Schlauchspülung ausgestattet sind, nicht zugelassen. In diesen Fällen sind dann Kupplungen mit manuell zu bedienenden Öffnungsventilen zu verwenden.

(7.5.) Da bei den Prüfungen der Trinkwasserfüllanlagen durch das EBA festgestellt wurde, dass durch das Befüllpersonal bei längeren Betankungsschläuchen oft nicht der Inhalt des Schlauches vor dem Ankuppeln an das Schienenfahrzeug abgelassen wird, dürfen die für die Betankung genutzten Füllschläuche eine Länge von 25 m nicht überschreiten. Diese Begrenzung der maximalen Schlauchlänge erfolgt vorsorglich, da eine Befüllung der Trinkwassertanks der Schienenfahrzeuge mit mikrobiologisch belasteten Stagnationswässern vermieden werden muss. Sollte aufgrund der örtlichen Gegebenheiten der Einsatz von Schlauchlängen über 25 m erforderlich sein, entscheidet das EBA auf Antrag im jeweiligen Einzelfall.

(7.6.) In einer Trinkwasserfüllanlage sind nur so viele Trinkwasserfüllschläuche vorzuhalten, wie es für den Betrieb der Anlage unbedingt erforderlich ist. Selten benutzte Schläuche neigen zur Verkeimung. Neu beschaffte Schläuche oder Schläuche, die längere Zeit unbenutzt lagerten, sind vor der Verwendung gründlich durchzuspülen und zu desinfizieren.

Verlängerungsschläuche, die nur im Bedarfsfall, aber regelmäßig genutzt werden, müssen bei Nichtgebrauch zwischenzeitlich ordnungsgemäß abgelegt werden (s. Punkt 7.3.).

(7.7.) Die Verbindung zwischen Trinkwasserfüllschlauch und Hydrant bzw. Standrohr muss baulich so ausgeführt werden, dass der Schlauch für erforderliche Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen abgekuppelt werden kann.

(7.8.) Die Verschlusskappen (Deckel) der RIC-Füllstutzen bzw. anderer Schutzvorrichtungen von Füllstutzen an den Schienenfahrzeugen sind nach dem Befüllvorgang wieder zu schließen.

(7.9.) Anschlüsse an Standrohren bzw. Hydranten, an denen zeitweise keine Trinkwasserfüllschläuche angeschlossen sind, müssen mit einer Blindkupplung gegen Verunreinigungen geschützt werden.

(7.10.) Um bei mikrobiologischen Beanstandungen von Trinkwasserfüllschläuchen und Hydranten bzw. Standrohren diese nachträglich eindeutig identifizieren zu können, müssen alle Schläuche und Hydranten bzw. Standrohre gekennzeichnet werden. Diese Kennzeichnung kann beispielsweise durch farbliche Markierungen oder durch Nummerung erfolgen.

Bei Doppelzapfstellen an Standrohren müssen außer dem eigentlichen Unterflurhydranten zusätzlich auch beide Zapfstellen am Standrohr gekennzeichnet werden (vorzugsweise im Sinne der Einheitlichkeit mit A und B). Wenn zwischen der Trinkwasserfüllkupplung und dem Schlauch keine feste Verbindung besteht und damit ein Austausch möglich ist, müssen beide Teile einzeln gekennzeichnet sein.

(7.11.) Bei den Unterflurhydranten ist in den inneren Bereichen der Straßenkappen darauf zu achten, dass die Hydranten-Innenteile nicht verunreinigt sind. Dies kann nicht nur zum Ungezieferbefall, sondern auch beim Anschluss der Standrohre über die verschmutzten Anschlussklauen zu einer Verunreinigung des Trinkwassers führen. Weiterhin ist darauf zu achten, dass die Klauendeckel (zum Schutz der Anschlüsse bei abge-nommenen Standrohren) in den Unterflurhydranten vorhanden sind.

(7.12.) Wenn die Unterflurhydranten bzw. die Anschlussstellen in Schächten angeordnet sind, ist darauf zu achten, dass die grobkörnige Sickerpackung (Filterschicht) zur Versickerung von Oberflächenwasser durchlässig ist und sich keine Verunreinigungen (Abfälle) in den Schächten befinden.

Bei Sickerpackungen ist darauf zu achten, dass die Funktion der Hydrantenentleerung nicht durch feinkörniges Material beeinträchtigt wird.

(7.13.) Einzelheiten zu Auswahl, Einbau und Betrieb von Hydranten können der Technischen Regel W 33116 des DVGW entnommen werden.



8. Desinfektion



siehe Anhang II der Anweisung des EBA zur Wahrnehmung der behördlichen Aufsicht gemäß § 72 Infektionsschutzgesetz vom 01.01.2003:

"Reinigung und Desinfektion von metallischen und nichtmetallischen Trinkwasserverteilungs- und Trinkwasserspeichersystemen in Schienenfahrzeugen und ortsfesten Trinkwasserfüllanlagen im Bereich der Eisenbahnen des Bundes"

in der jeweils gültigen Fassung.



9. Dokumentation



(9.1.) Zu einer ordnungsgemäßen und vollständigen Dokumentation der Trinkwasserfüllanlage gehört die Vorhaltung und ständige Aktualisierung folgender Unterlagen:

□ Niederschriften von Prüfungen des EBA,

□ Untersuchungsberichte über die Trinkwasserqualität (halbjährliche Proben),

□ Nachweise der Zulassung der Trinkwasser-Füllschläuche (Prüfzertifikate KTW und DVGW W 270),

□ Lagepläne der Trinkwasserfüllanlagen,

□ Pläne der trinkwasserführenden Leitungstrassen,

□ Nachweise über Wartungen und Instandsetzungen der Trinkwasserfüllanlage,

□ Nachweis der jährlichen, aktenkundigen Belehrung des mit der Trinkwasserbefüllung beauftragten Personals,

□ Nachweis der jährlichen Belehrungen der Mitarbeiter, die die Chlorungen/Desinfektionen der Trinkwasserfüllschläuche durchführen,

□ Nachweis der wöchentlichen Aufzeichung (schriftlich oder auf Datenträger) der verwendeten Aufbereitungsstoffe, z.B. bei Chlordosierungsanlagen (entfällt bei kontinuierlicher Messung und Speicherung der Daten).



10. Trinkwasserbefüllung und Abwasserbeseitigung in einer ortsfesten Anlage



(10.1.) Für den Bau von ortsfesten Anlagen

□ zum Absaugen von fäkalienhaltigen Abwässern aus den geschlossenen WC sowie von Grauwässern der Schienenfahrzeuge

und gleichzeitiger

□ Befüllung von Schienenfahrzeugen mit Trinkwasser

gilt seitens des EBA folgende Grundsatzforderung:

Ist in einer Fahrzeugbehandlungsanlage das Absaugen von Abwässern und das Befüllen mit Trinkwasser vorgesehen, sind die betreffenden Anlagenteile so anzuordnen, dass auf der einen Fahrzeugseite die Abwässer abgesaugt und auf der anderen Trinkwasser befüllt werden kann.

Kann diese örtliche Trennung zwischen reinem und unreinem Bereich aufgrund von besonderen Gegebenheiten nicht erfolgen, trifft das EBA im Einzelfall gemeinsam mit dem Bahnunternehmen eine Entscheidung über eine andere Lösung (z.B. eine zeitliche Trennung der Entsorgungs- und Befüllungsvorgänge oder Sicherstellung durch entsprechende Steuer- und Regelungstechnik).