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BMVBW-23-0001-A000d.htm

Zum Hauptdokument : Umwelt-Leitfaden zur eisenbahnrechtlichen Planfeststellung und Plangenehmigung sowie für Magnetschwebebahnen



Exkurs III: Abgrenzung des Untersuchungsraumes



Die Abgrenzung des Untersuchungsraumes ist in Abhängigkeit von Art, Intensität und räumlicher Reichweite der Projektwirkungen so zu wählen, dass alle durch das Vorhaben zu erwartenden Beeinträchtigungen erfasst werden können. Dementsprechend ergeben sich insbesondere für Umweltverträglichkeitsstudien zu raumbedeutsamen Neubauplanungen große Untersuchungsräume, die alle sinnvollen Variantenführungen und deren Auswirkungen einschließen. Für kleinräumige Vorhabentypen mit geringeren Eingriffswirkungen (z.B. Beseitigung eines Bahnüberganges) sind für die i.d.R. zu erstellenden landschaftspflegerischen Begleitpläne auch nur kleinere Untersuchungsräume notwendig.

Neben den Wirkungen des Vorhabens sind die naturschutzfachliche Bedeutung und die Empfindlichkeit des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes zu berücksichtigen. Die Abgrenzung ist einzelfallbezogen durchzuführen, wobei für verschiedene Naturgüter und Beeinträchtigungen durchaus unterschiedliche Abgrenzungen relevant sein können (z.B. Landschaftsbild und Boden.) Es ist daher hilfreich, bei ähnlichen Problemstellungen auf bereits gewonnenes und empirisch abgesichertes Erfahrungswissen zurückzugreifen.

Im LBP muss der vorhaben- und auswirkungsspezifisch abgegrenzte Untersuchungsraum um Flächen für mögliche Kompensationsmaßnahmen erweitert werden. Die Bestandsangaben zu diesen Flächen werden, sofern dort beschrieben, der UVS entnommen. Sofern Ausgleichs- und Ersatzflächen außerhalb des Untersuchungsraumes der UVS liegen, ist der Bestand dieser Flächen über eine Potenzialabschätzung auf der Grundlage vorhandener Unterlagen und örtlicher Erhebungen zu erfassen. Mit zunehmender Konkretisierung der Planung ist die Abgrenzung des Untersuchungsraumes zu überprüfen und ggf. anzupassen. Erweiterungen können insbesondere bei schwerwiegenden, über den bisherigen Untersuchungsraum hinausgehenden Beeinträchtigungen oder bei außerhalb liegenden Flächen für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen notwendig werden.

Zur Abgrenzung des Untersuchungsraumes lassen sich folgende räumliche Bezüge herstellen (s. Abbildung auf der folgenden Seite):

* Vorhabenort

* Eingriffsraum

* Wirkraum

* Kompensationsraum

Diese Teilräume bilden zusammen den Untersuchungsraum.



Vorhabenort



Der Vorhabenort ist die vom Vorhaben direkt beanspruchte Grundfläche. Am Vorhabenort werden die Wert- und Funktionselemente (Tiere und Pflanzen, Boden, Wasser, Luft/Klima und Landschaftsbild) durch bau- und anlagebedingte Auswirkungen beeinträchtigt.



Eingriffsraum



Der Eingriffsraum leitet sich aus der Prognose der Beeinträchtigungen innerhalb des Wirkraumes ab und umfasst alle erheblichen und/oder nachhaltigen Beeinträchtigungen, die durch bau-, anlage- und betriebsbedingte Wirkfaktoren hervorgerufen werden. Im Grundsatz kann davon ausgegangen werden, dass die räumliche Reichweite der betriebsbedingten Beeinträchtigungen (Verlärmung und ggf. Schadstoffeintrag) zusammen mit der Empfindlichkeit der betroffenen Naturgüter für die Abgrenzung des Eingriffsraumes ausschlaggebend ist.



Wirkraum



Der Wirkraum umfasst den gesamten Raum, in welchem die Wirkfaktoren und Projektwirkungen – insbesondere betriebsbedingter Art – wirksam werden. Die Abgrenzung erfolgt auf der Grundlage der Art, Intensität und räumlichen Reichweite der Wirkfaktoren (u.a. in Abhängigkeit von den unterschiedlichen Ausbreitungsverhältnissen von Lärm und ggf. Schadstoffen bei Dämmen oder Einschnitten.)

Innerhalb des Wirkraumes aber bereits außerhalb des Eingriffsraumes liegen die Beeinträchtigungen im Gegensatz zum Eingriffsraum unterhalb der Erheblichkeits- und Nachhaltigkeitsschwelle.



Kompensationsraum



Bei der Ableitung der Art und des Umfanges von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen ist der Bestand dieser Flächen und damit die Ausgangssituation zu erfassen. Der Kompensationsraum sollte in der Regel außerhalb des Eingriffsraumes liegen und kann über den Wirkraum hinausgehen. Er sollte in einem räumlich-funktionalen Zusammenhang zum Eingriffsraum stehen, in jedem Fall aber innerhalb des betroffenen Landschaftsraumes liegen. Die Maßnahmen zur landschaftsgerechten Wiederherstellung und Eingliederung z.B. von Bauwerken in die Landschaft werden zumeist im Eingriffsraum vorgenommen.



Komponenten des Untersuchungsraumes (schematische Darstellung):