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BMU-RS-20061207-KF-A002.htm

Zum Hauptdokument : Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen (REI)



Anhang B



zur „Richtlinie zur Emissions- und
Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen“ (REl):
Brennelementfabriken





Inhaltsverzeichnis



B.1

Emissionsüberwachung von Brennelementfabriken

B.1.1.

Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe mit Luft

B.1.1.1

Bestimmungsgemäßer Betrieb

B.1.1.1.1

Radioaktive Gase

B.1.1.1.2

Radioaktive Aerosole (Monitoring)

B.1.1.1.3

Radioaktive Aerosole (Bilanzierung)

B.1.1.1.4

Probenentnahme

B.1.1.2

Störfall/Unfall

B.1.2

Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe mit Wasser

B.1.2.1

Bestimmungsgemäßer Betrieb

B.1.2.1.1

Probenentnahme

B.1.2.1.2

Entscheidungsmessung

B.1.2.1.3

Ableitung

B.1.2.1.4

Bilanzierung

B.1.2.2

Störfall/Unfall

B.1.3

Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe in der Phase der Stilllegung und des sicheren Einschlusses

B.1.4

Kontrolle der Eigenüberwachung des Genehmigungsinhabers

B.2

Erfassung der Ausbreitungsverhältnisse von radioaktiven Stoffen am Standort von Brennelementfabriken

B.2.1

Ausbreitung radioaktiver Stoffe in der Atmosphäre

B.2.2

Ausbreitung radioaktiver Stoffe im Vorfluter

B.2.3

Beendigung des Erfassungszeitraumes

B.3

Immissionsüberwachung von Brennelementfabriken

B.3.1

Überwachung der Umgebung von Brennelementfabriken vor Inbetriebnahme und im bestimmungsgemäßen Betrieb

B.3.1.1

Maßnahmen des Genehmigungsinhabers

B.3.1.2

Maßnahmen unabhängiger Messstellen

B.3.2

Überwachung der Umgebung von Brennelementfabriken im Störfall/Unfall

B.3.2.1

Maßnahmen des Genehmigungsinhabers

B.3.2.2

Maßnahmen unabhängiger Messstellen

B.3.3

Maßnahmen zur Überwachung der Umgebung von Brennelementfabriken in der Phase der Stilllegung und des sicheren Einschlusses

B.3.4

Festlegung der erforderlichen Nachweisgrenzen

B.3.4.1

Messungen vor Inbetriebnahme, im bestimmungsgemäßen Betrieb, in der Phase der Stillegung und des sicheren Einschlusses von Brennelementfabriken

B.3.4.2

Messungen im Störfall/Unfall

B.3.5

Qualitätskontrolle durch Vergleichsanalyse

B.4

Dokumentation und Berichterstattung



Tabelle B.1:

Maßnahmen des Genehmigungsinhabers zur Überwachung der Umgebung vor Inbetriebnahme und im bestimmungsgemäßen Betrieb einer Brennelementfabrik

Tabelle B.2:

Maßnahmen der unabhängigen Messstellen zur Überwachung der Umgebung vor Inbetriebnahme und im bestimmungsgemäßen Betrieb einer Brennelementfabrik

Tabelle B.3:

Maßnahmen des Genehmigungsinhabers zur Überwachung der Umgebung einer Brennelementfabrik im Störfall/Unfall

Tabelle B.4:

Maßnahmen der unabhängigen Messstellen zur Überwachung der Umgebung einer Brennelementfabrik im Störfall/Unfall

Tabelle B.5:

Bei der Bilanzierung zu berücksichtigende Alphastrahler

Tabelle B.6:

Bei der Bilanzierung zu berücksichtigende Betastrahler

Tabelle B.7:

Bei der Bilanzierung zu berücksichtigende Gammastrahler

Tabelle B.8:

Nachweisgrenzen der Messanordnungen (Fortluft)

Tabelle B.9:

Nachweisgrenzen der Messanordnungen (Abwasser)

Tabelle B.10 :

Nachweisgrenzen bei Immissionsmessungen (Alphastrahler)

Tabelle B.11:

Berichtsbogen über die Ableitung radioaktiver Stoffe mit Luft

Tabelle B.12:

Berichtsbogen über die Ableitung radioaktiver Stoffe mit Wasser

Abbildung B.1

Abgrenzung der Gebiete für Maßnahmen des Genehmigungsinhabers und der unabhängigen Messstellen zur Überwachung der Umgebung von Brennelementfabriken im Störfall/Unfall





B.1 Emissionsüberwachung von Brennelementfabriken



Ausgehend von den in Brennelementfabriken zur Verarbeitung gelangenden Kernbrennstoffen sind für die Emissionsüberwachung bestimmte Radioisotope des Thoriums, Urans und Plutoniums sowie das radioaktive Edelgas Radon maßgebend. Weitere Radionuklide können im Einzelfall hinzukommen: ist dies der Fall, ist zusätzlich die Überwachung und Bilanzierung auch dieser Radionuklide durchzuführen.



B.1.1 Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe mit Luft



Die Abluftführung von Brennelementfabriken ist so ausgelegt, dass gasförmige und aerosolgebundene radioaktive Stoffe mit der Kaminfortluft abgeleitet werden. Daher ist für die Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe mit der Kaminfortluft im bestimmungsgemäßen Betrieb, im Störfall/Unfall, in der Phase der Stilllegung und des sicheren Einschlusses von den Festlegungen in den Abschnitten B.1.1.1, B.1.1.2, B.1.3 und B.1.4 auszugehen. Soweit Ableitungen radioaktiver Stoffe nicht über den Fortluftkamin, sondern über andere Auslässe zulässig sind, sind ergänzende Festlegungen zu treffen, die die Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe mit Angaben von Art und Aktivität gewährleisten.



B.1.1.1 Bestimmungsgemäßer Betrieb



Für die Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe in den für Brennelementfabriken zutreffenden Nuklidgruppen (radioaktive Gase, radioaktive Aerosole, [Alpha-, Beta- und Gammastrahler]) sind kontinuierliche oder diskontinuierliche Probenentnahmen und Messungen jeweils im Teilstrom oder an Proben aus der Kaminfortluft gemäß den Festlegungen in den Abschnitten B.1.1.1.1 bis B.1.1.1.4 vorzunehmen. Ferner sind der Volumenstrom der Kaminfortluft und die Teilströme kontinuierlich zu messen und zu registrieren.



B.1.1.1.1 Radioaktive Gase



(1) Die mit der Kaminfortluft von Brennelementfabriken abgeleiteten radioaktiven Gase (Radon 220, Radon 222) sind zu überwachen.



(2) Eine Messung des radioaktiven Edelgases Radon 220 kann entfallen, wenn der Genehmigungsinhaber aufgrund des genehmigten Umgangs mit Kernbrennstoffen über Berechnungen nachweist, dass die genehmigten Aktivitätsabgaben nicht überschritten werden können. Das Ergebnis der Berechnung anhand des tatsächlichen Umgangs ist in die Berichterstattung über die Ableitung radioaktiver Stoffe mit Luft ( Tabelle B.11 ) aufzunehmen.



(3) Eine Bilanzierung des durch den Betrieb emittierten Radon 222 ist dann nicht erforderlich, wenn nachgewiesen ist, dass die bei der Brennelementfertigung erzeugten Radon 222-Aktivitätsabgaben im Vergleich zu den natürlich gebildeten Radon 222-Mengen gering sind.



B.1.1.1.2 Radioaktive Aerosole (Monitoring)



(1) Die Ableitung radioaktiver Aerosole mit der Fortluft ist durch kontinuierliche Messung (Monitoring) zu überwachen. Dazu sind die radioaktiven Aerosole auf einem Schwebstofffilter mindestens der Klasse H12 gemäß DIN EN 1822 1 – 5 aus einem Teilstrom anzureichern und während der Anreicherung zu messen. Bei Filterkaskaden im Fortluftstrang kann das Monitoring auch vor dem letzten Filter durchgeführt werden.



(2) Der Messbereich der Messanordnung muss die Erfassung von Abgaberaten von 10 4 Bq/h bis 10 6 Bq/h mit der Fortluft ermöglichen.



(3) Die Aktivität auf dem Filter und ihr zeitlicher Anstieg sind zu registrieren und auf Grenzwerte hin zu überwachen.



(4) Die Grenzwerte haben sich an den genehmigten Ableitungswerten zu orientieren und sind anlagenspezifisch festzulegen. Sie müssen so eingestellt sein, dass eine Ableitung von 1. 10 5 Bq beim Nennvolumenstrom der Fortluft innerhalb einer Stunde mit hinreichender Genauigkeit (±20%) erkannt wird.



(5) Bezugsnuklide für die Anforderungen nach den Absätzen (2) bis (4) sind bei Gamma-Messung Kobalt 60, bei Beta-Messung Strontium 90/Yttrium 90 und bei Alpha-Messung Americium 241 (bei MOX-Brennelementfertigung) bzw. Natururan (bei Verarbeitung von Uran).



B.1.1.1.3 Radioaktive Aerosole (Bilanzierung)



(1) Die mit der Fortluft abgeleiteten Alphastrahler sind zu bilanzieren. Für die Bilanzierung ist die Gesamtalpha-Aktivität zu bestimmen. Wenn die jährlich abgeleitete Gesamtalpha-Aktivität den Wert von 106 Bq überschreitet, ist eine nuklidspezifische Bestimmung durchzuführen. Beim Umgang mit Brennstoff aus der Wiederaufarbeitung ist zusätzlich eine nuklidspezifische Bilanzierung der Ableitung von Beta- und Gammastrahlern erforderlich.



(2) Für die Bilanzierung sind Aerosolpartikel durch kontinuierliche Abscheidung auf einem Schwebstofffilter der Klasse 5 nach DIN 24 184 aus einem Teilstrom über einen Zeitraum von maximal 14 Tagen zu sammeln. Für die Bilanzierung der Alphastrahler sollen bevorzugt Membranfilter verwendet werden.



(3) Die Auswertung der Filter auf Alpha- und Betastrahler ist vierteljährlich an Mischproben aus den im betreffenden Zeitraum exponierten Schwebstofffiltern durchzuführen. Die Auswertung der Filter auf Gammastrahler ist 14-täglich vorzunehmen. Der Bilanzierung sind die in den Tabellen B.5 bis B.7 aufgeführten Radionuklide zugrunde zu legen.



(4) Die Nachweisgrenzen der Messanordnungen dürfen die in der Tabelle B.8 angegebenen Werte nicht überschreiten. Dabei sind für die in den Tabellen B.5 bis B.7 aufgelisteten und nicht nachgewiesenen Nuklide die erreichten Erkennungsgrenzen anzugeben. Bei der Bilanzierung ist eine Zusammenfassung der Radionuklidpaare Pu 238 und Am 241 sowie Pu 239 und Pu 240 zulässig.



(5) Werden sonstige aus der genehmigungspflichtigen Tätigkeit resultierende Radionuklide in der Fortluft nachgewiesen, so sind auch diese Radionuklide zu bilanzieren und die erreichten Erkennungsgrenzen anzugeben.



B.1.1.1.4 Probenentnahme



Für die Probenentnahme gelten die Anforderungen analog zur KTA-Regel 1503 „Überwachung der Ableitung gasförmiger und aerosolgebundener radioaktiver Stoffe, Teil 1: Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe mit der Kaminfortluft bei bestimmungsgemäßem Betrieb“, Abschnitt 4, Absätze 1-9 (BAnz. Nr. 172 a vom

13.09.2002 ).



B.1.1.2 Störfall/Unfall



Für die Emissionsüberwachung im Störfall/Unfall ist es grundsätzlich zulässig, dass die aus Abschnitt B.1.1.1 resultierenden Maßnahmen und Einrichtungen Anwendung finden; darüber hinaus gelten folgende Regelungen:



(1) Im Störfall/Unfall sind die Schwebstofffilter nach Abschnitt B.1.1.1.3 in Abhängigkeit vom Störfallablauf in angemessenen Zeitabständen durch unbeaufschlagte Filter zu ersetzen. Die entnommenen Filter sind auf Alpha-, Beta- und Gammastrahler zu messen. Die Auswertungen auf Beta- und Gammastrahler sind insbesondere nach einem Kritikalitätsstörfall vorrangig durchzuführen.



(2) Bei der Verarbeitung von Plutonium und hochangereichertem Uran (Anreicherungsgrad > 5 %) ist eine kontinuierliche Probenentnahme mit Jodfiltern analog der KTA-Regel 1503.1, Abschnitt 4, Absätze 1—9 durchzuführen. Im Falle eines Kritikalitätsstörfalls ist dieses Filter umgehend zu entnehmen und durch ein unbeaufschlagtes Filter zu ersetzen. Das entnommene Filter ist auf Jod 131 und andere Jodisotope auszuwerten.



B.1.2 Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe mit Wasser



Die Abwasserführung von Brennelementfabriken ist so ausgelegt, dass das aus Kontrollbereichen oder betrieblichen Überwachungsbereichen herausgelangende Wasser vor der Ableitung radioaktiver Stoffe in Übergabebehältern gesammelt wird. Daher ist für die Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe mit Wasser für den bestimmungsgemäßen Betrieb, den Störfall/Unfall sowie die Phase der Stilllegung und des sicheren Einschlusses von den Festlegungen in den Abschnitten B.1.2.1 und B.1.2.2 auszugehen. Soweit Ableitungen radioaktiver Stoffe nicht nur über Übergabebehälter zulässig sind, sind ergänzende Festlegungen zu treffen, die die Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe nach Art und Aktivität gewährleisten. Vor Freigabe der Ableitung sind Entscheidungsmessungen durchzuführen.

Hinweise:



(1) Neben den Anforderungen dieser Richtlinie sind für die Ableitung radioaktiver Stoffe mit Wasser das Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts (Wasserhaushaltsgesetz-WHG) und das jeweilige Landeswassergesetz zu berücksichtigen. Danach bedarf die Einleitung von Abwasser in Gewässer — unabhängig von den atomrechtlichen Bestimmungen — einer wasserrechtlichen Erlaubnis Hierbei ist zu beachten, dass



a)
die Schadstofffracht des Abwassers an radioaktiven Stoffen unter Beachtung der atomrechtlichen Vorschriften so gering zu halten ist, wie dies bei Einhaltung der Anforderungen nach dem Stand von Wissenschaft und Technik möglich ist,


b)
radioaktive Stoffe grundsätzlich nicht in das Grundwasser eingeleitet werden dürfen (§ 34 Abs. 1 WHG).


(2) Beim Einleiten von Abwasser in eine öffentliche Kanalisation sind die jeweiligen Anforderungen und Verbote des kommunalen Satzungsrechts zu beachten.



B.1.2.1 Bestimmungsgemäßer Betrieb



B.1.2.1.1 Probenentnahme



(1) Zur Durchführung der Entscheidungsmessung gemäß B 1.3.1.2 und der Bilanzierung gemäß B.1.3.1.4 sind repräsentative Proben aus den. Übergabebehältern analog zu KTA-Regel 1504 „Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe mit Wasser“, Abschnitt 3.2.1 (BAnz. Nr.238a vom 20.12.1994), zu entnehmen; im Einzelnen sind Einliterproben zur Entscheidungsmessung, Tages-, Wochen- und Vierteljahresmischproben zur Bilanzierung sowie Rückstellproben zur Beweissicherung herzustellen.



(2) Bei mehreren Abwasserkanälen sind zusätzlich im Sammelkanal mengenproportionale Tages-, Wochen- und Vierteljahresmischproben zu entnehmen bzw. herzustellen und wie bei der Bilanzierung auszuwerten. Ein Liter der Tagesmischprobe ist für die Dauer eines Jahres aufzubewahren.



B.1.2.1.2 Entscheidungsmessung



(1) Zur Entscheidung darüber, ob eine Ableitung aus dem Übergabebehälter erfolgen kann, ist eine Messung der Gesamtalpha-Aktivitätskonzentration vorzunehmen.



(2) Beim Umgang mit Brennstoff aus der Wiederaufarbeitung ist zusätzlich zur Gesamtalpha-Messung eine Messung der Gesamtbeta-Aktivitätskonzentration durchzuführen.



B.1.2.1.3 Ableitung



(1) Die Ableitung von Wasser aus den Übergabebehältern ist nur dann zulässig, wenn als Ergebnis der Entscheidungsmessung die Gesamtalpha- und die Gesamtbeta- Aktivitätskonzentration des Wassers jeweils nicht größer sind als die von der zuständigen Behörde festgelegten Werte.



(2) Vor Freigabe der Ableitung sind zwei unabhängige Probenentnahmen und Entscheidungsmessungen durchzuführen.



B.1.2.1.4 Bilanzierung



(1) Für die Bilanzierung sind Wochenmischproben innerhalb der jeweils folgenden Woche auf ihren Gehalt an Alphastrahlern (Gesamtaktivität) und beim Umgang mit Brennstoff aus der Wiederaufarbeitung zusätzlich auf ihren Gehalt an Betastrahlern (Gesamtaktivität) und Gammastrahlern (nuklidspezifisch) zu untersuchen. Bei der nuklidspezifischen Bilanzierung der Gammastrahler sind die in Tabelle B.7 angegebenen Radionuklide zu berücksichtigen.



(2) Innerhalb des auf ihre Herstellung folgenden Monats sind die Vierteljahresmischproben nuklidspezifisch auf ihren Gehalt an Alphastrahlern und beim Umgang mit Brennstoff aus der Wiederaufarbeitung zusätzlich auf ihren Gehalt an Betastrahlern zu untersuchen. Dabei sind die in den Tabellen B.5 und B.6 aufgeführten Radionuklide zu berücksichtigen.



(3) Die Nachweisgrenzen der Messanordnung dürfen die in Tabelle B.9 angegebenen Werte nicht überschreiten. Dabei sind für die in den Tabellen B.5 bis B.7 aufgeführten und nicht nachgewiesenen Radionuklide die erreichten Erkennungsgrenzen anzugeben. Bei der Bilanzierung ist eine Zusammenfassung der Radionuklidpaare Plutonium 239 und Plutonium 240 sowie Uran 235 und Uran 236 zulässig.



B.1.2.2 Störfall/Unfall



Für die Emissionsüberwachung im Störfall/Unfall ist es grundsätzlich zulässig, dass die aus Abschnitt B.1.2.1 resultierenden Maßnahmen und Einrichtungen Anwendung finden; ergänzende Regelungen der zuständigen Behörde bleiben unberührt.



B.1.3 Überwachung der Ableitung radioaktiver Stoffe in der Phase der Stilllegung und des sicheren Einschlusses



Die in den Abschnitten B.1.1 und B.1.2 getroffenen Regelungen sind hinsichtlich der Anforderungen an die Emissionsüberwachung. während der Stilllegung und des sicheren Einschlusses von Brennelementfabriken unter den Gesichtspunkten

(1) Phase mit Kernbrennstoff,

(2) Phase mit ausgelagertem Kernbrennstoff (nur noch Restkontamination und radioaktive Abfälle in der Anlage)

umzusetzen:



In der Phase 1 sind alle aus den Abschnitten B.1.1 und B.1.2 resultierenden Maßnahmen zur Emissionsüberwachung fortzuführen. Für die Phase 2 können insbesondere die für einen Kritikalitätsstörfall emissionsbedeutsamen Überwachungsmaßnahmen entfallen; kontinuierliche Messungen (Monitoring) sind dann verzichtbar, wenn mit kontinuierlicher Probenentnahme und diskontinuierlicher Messung oder anderen Verfahren die Einhaltung der maximal zulässigen Aktivitätsabgaben kontrolliert werden kann.



B.1.4 Kontrolle der Eigenüberwachung des Genehmigungsinhabers



Die von dem Genehmigungsinhaber vorzunehmenden Messungen sind durch Kontrollmessungen unabhängiger Messstellen zu überprüfen. Diese Kontrollmessungen legt die zuständige Behörde anlagenspezifisch fest. Sie kann sich dabei an der Richtlinie „Kontrolle der Eigenüberwachung radioaktiver Emissionen aus Kernkraftwerken“ (GMBI 1996, 9/10 S. 31) orientieren. Die mit den Kontrollmessungen zusammenhängenden Qualitätskontrollen und Ringversuche sind für die Genehmigungsinhaber und unabhängigen Messstellen obligatorisch.



B.2 Erfassung der Ausbreitungsverhältnisse von radioaktiven Stoffen am Standort von Brennelementfabriken



B.2.1 Ausbreitung radioaktiver Stoffe in der Atmosphäre



(1) Für die Erfassung der Ausbreitungsverhältnisse und Ablagerungsbedingungen radioaktiver Stoffe bei bestimmungsgemäßem Betrieb sowie im Störfall/Unfall ist eine meteorologische Instrumentierung vorzusehen, die fortlaufend folgende Größen erfasst:

-
Windrichtung,
-
Windgeschwindigkeit,
-
Größen, aus denen die für Ausbreitungs rechnungen erforderlichen Ausbreitungsparameter ermittelt werden können (zum Beispiel Standardabweichungen der Windrichtung, vertikaler Temperaturgradient),
-
Niederschlagsintensität.


(2) Hinsichtlich der Anforderungen an die Messgeräteträger, die Messeinrichtungen, die Prüfung, Wartung und Instandsetzung, die Messdatenerfassung und Auswertung sowie die Dokumentation der Messergebnisse gelten die Regelungen, die in der KTA-Regel 1508 „Instrumentierung zur Ermittlung der Ausbreitung radioaktiver Stoffe in der Atmosphäre“, (BAnz. Nr. 37a vom 22.02 1989) festgelegt sind.



(3) Falls am Standort bereits Instrumentierungen zur Erfassung der nach Absatz (1) erforderlichen Größen betrieben werden, die Bestandteil anderer genehmigungspflichtiger bzw. planfeststellungsbedürftiger Tätigkeiten gemäß §§ 6, 7, 9 oder 9b Atomgesetz sind, kann eine zusätzliche Instrumentierung entfallen, wenn diese Messdaten für die Überwachung der Brennelementfabrik zur Verfügung stehen.



B.2.2 Ausbreitung radioaktiver Stoffe im Vorfluter



Regelungen zur Erfassung der Ausbreitungsverhältnisse und Ablagerungsbedingungen radioaktiver Stoffe im Vorfluter sind gemäß den wasserrechtlichen Vorschriften der Länder zu treffen.



B.2.3 Beendigung des Erfassungszeitraums



Die in den Abschnitten B.2.1 und B.2.2 getroffenen Regelungen sind in ihrem Umfang für die Maßnahmen zur Erfassung der Ausbreitungsverhältnisse und der Ablagerungsbedingungen solange bestimmend, wie in der zeitlichen Abfolge von Stilllegung und sicherem Einschluss von Brennelementfabriken eine Emissionsüberwachung nach B.1.1, B.1.2 und B.1.3 erforderlich ist.



B.3 Immissionsüberwachung von Brennelementfabriken



Die vom Genehmigungsinhaber und den unabhängigen Messstellen durchzuführenden Maßnahmen sind unter Berücksichtigung nachstehender Sachverhalte festzulegen:



Die natürliche Uranaktivität im Boden liegt zwischen 10 und 200 Bq/kg oder 500 bis 100 000 Bq/m2 bis zur Pflugschartiefe



Durch Phosphatdüngung kommen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen jährlich ca. 50 Bq/m2 natürliches Uran hinzu. Eine Erhöhung der Uranaktivität im Boden durch Emissionen aus einer Brennelementfabrik ist daher bei bestimmungsgemäßem Betrieb messtechnisch nicht nachweisbar. Ein vergleichbarer Sachverhalt liegt für die Radionuklide der Thoriumzerfallsreihe vor. Das durch die oberirdischen Kernwaffenversuche deponierte Inventar an Plutonium 239 und Plutonium 240 liegt zwischen 50 und 150 Bq/m2. Auch dies ist ein Vielfaches dessen, das bei bestimmungsgemäßem Betrieb an Immissionen bei plutoniumverarbeitenden Betrieben zu erwarten ist.



(2) Die möglichen Kontaminationen von Pflanzen durch Immissionen aus Brennelementfabriken können die unteren Werte der Schwankungsbreite der natürlichen Aktivitäten erreichen. Diese betragen z. B. für Uran 1 bis 50 mBq/kg bezogen auf die Feuchtmasse je nach Pflanzenart und Umweltbedingungen.



B.3.1 Überwachung der Umgebung von Brennelementfabriken vor Inbetriebnahme und im bestimmungsgemäßen Betrieb



Die Maßnahmen zur Überwachung der Umgebung von Brennelementfabriken vor Inbetriebnahme und im bestimmungsgemäßen Betrieb sind entsprechend den allgemeinen Vorgaben dieser Richtlinie zu treffen; dabei ist für die anlagen- und standortspezifische Festlegung der Maßnahmen folgendes zu beachten:

-
Die Exposition durch Gammastrahlung infolge Ableitung radioaktiver Stoffe mit der Fortluft ist radiologisch nicht relevant. Die externe Gammadosis wird durch Direktstrahlung aus Transport- und Lagerbehältern auf dem Betriebsgelände verursacht. Die Überwachung der Exposition durch Gammastrahlung kann sich daher auf die Direktstrahlung und die Einhaltung des Grenzwertes gemäß § 46 Abs. 3 StrlSchV an der Grenze des Betriebsgeländes. beschränken.
-
Der Beitrag der Neutronen an der externen Strahlenexposition ist zu messen.
-
Der kritische Expositionspfad aus der Ableitung von radioaktiven Stoffen mit der Fortluft in die Umgebung einer Brennelementfabrik ist die Inhalation von Alpha-Strahlern. Zur Überwachung der Immission sind daher die Aerosole in der Hauptausbreitungsrichtung kontinuierlich zu sammeln und hinsichtlich der Aktivität von Alpha-Strahlern auszuwerten. Diese Messungen können entfallen, wenn für die genehmigte Anlage nachgewiesen ist, dass die Aktivitätskonzentration im Fortluftstrom die Werte des § 47. (4) StrlSchV nicht überschreitet.
-
Bei den zu überwachenden Medien, die über Anreicherungs- und Transfervorgänge in ökologischen Ketten für die Exposition durch Ingestion von Radionukliden maßgebend sind, sind Stichproben im Bereich der ungünstigsten Einwirkungsstelle für Dosisbeiträge durch Ingestion zu kontrollieren.
-
Für den Fall, dass die radioaktiven Abwässer in einem Klärwerk zusammengeführt werden, sind dort das geklärte Abwasser und der Faulschlamm vor Beifügung von Zusatzstoffen zu beproben.


B.3.1.1 Maßnahmen des Genehmigungsinhabers



Die vom Genehmigungsinhaber durchzuführenden Maßnahmen zur Überwachung der Umgebung vor Inbetriebnahme (Beweissicherung) und im bestimmungsgemäßen Betrieb sind von den zuständigen Behörden anlagen- und standortspezifisch gemäß Tabelle B.1 festzulegen.



B.3.1.2 Maßnahmen unabhängiger Messstellen



Die von unabhängigen Messstellen durchzuführenden Maßnahmen zur Überwachung der Umgebung vor Inbetriebnahme (Beweissicherung) und im bestimmungsgemäßem Betrieb sind von den zuständigen Behörden anlagen- und standortspezifisch gemäß Tabelle B.2 festzulegen.



B.3.2 Überwachung der Umgebung von Brennelementfabriken im Störfall/ Unfall



Bei störfall-/unfallbedingten Emissionen radioaktiver Stoffe sind gezielte Maßnahmen zur Überwachung insbesondere von Luft, Boden, Pflanzen und Bewuchs, Milch und Wasser durchzuführen (vgl. hierzu Tabellen B.3 und B.4 ). Die Maßnahmen sind so vorzubereiten, dass entsprechend der räumlichen Verteilung der Radionuklide die Probenentnahmen und Messungen nach den erforderlichen Prioritäten durchgeführt werden können.



B.3.2.1 Maßnahmen des Genehmigungsinhabers



(1) Die vom Genehmigungsinhaber durchzuführenden Maßnahmen zur Überwachung der Umgebung im Störfall/Unfall sind von den zuständigen Behörden anlagen- und standortspezifisch gemäß Tabelle B.3 festzulegen. Dabei sollen die Maßnahmen so getroffen werden, dass über die Verteilung der Mess- und Probenentnahmeorte für jede meteorologische Situation erreicht wird, dass der Genehmigungsinhaber im Störfall/Unfall vorrangig ein zentrales Gebiet in unmittelbarer Umgebung der Anlage (Entfernung bis maximal 2 km) überwacht (vergleiche Gebiet Z in Abbildung B.1 ).



(2) Der Genehmigungsinhaber ist zu verpflichten,

-
die erforderlichen Einrichtungen (z.B. Messfahrzeuge, Messgeräte, Messlabor) und personellen Voraussetzungen (z.B. fachkundige Messtrupps) zu schaffen,
-
durch regelmäßige Erprobung (Training) eine zügige Durchführung der Maßnahmen so einzuüben, wie es die schnelle Beurteilung der radiologischen Lage erfordert.


B.3.2.2 Maßnahmen unabhängiger Messstellen



Die von unabhängigen Messstellen durchzuführenden Maßnahmen zur Überwachung der Umgebung im Störfall/ Unfall sind von den zuständigen Behörden anlagen- und standortspezifisch gemäß Tabelle B.4 festzulegen. Dabei sollen die Maßnahmen so getroffen werden, dass über die Verteilung der Mess- und Probenentnahmeorte für jede meteorologische Situation erreicht wird, dass die unabhängigen Messstellen im Störfall/Unfall vorrangig den Sektor des beaufschlagten Gebietes und die beiden Nebensektoren in einer Zone außerhalb des vom Genehmigungsinhaber zu überwachenden Gebietes (2 km bis maximal 8 km) überwachen (vergleiche Gebiet A in Abbildung B.1 ). Für die unabhängigen Messstellen gilt B.3.2.1, zweiter Absatz, sinngemäß.



B.3.3 Maßnahmen zur Überwachung der Umgebung von Brennelementfabriken in der Phase der Stilllegung und des sicheren Einschlusses



Die Maßnahmen zur Überwachung der Umgebung von Brennelementfabriken in der Phase der Stilllegung und des sicheren Einschlusses sind entsprechend den allgemeinen Vorgaben in dieser Richtlinie zu treffen; dabei ist für die anlagen- und standortspezifische Festlegung der Maßnahmen durch die zuständigen Behörden von Folgendem auszugehen:

-
Die Maßnahmen des Genehmigungsinhabers und der unabhängigen Messstellen zur Überwachung der Umgebung im bestimmungsgemäßen Betrieb sind bis zum Entfernen des Kernbrennstoffs unverändert weiterzuführen.
-
Nach dem Entfernen des Kernbrennstoffs kann die Umgebungsüberwachung reduziert und nach der Entlassung der Anlage aus dem Atomrecht eingestellt werden.


B.3.4. Festlegung der erforderlichen Nachweisgrenzen



B.3.4.1 Messungen vor Inbetriebnahme, im bestimmungsgemäßem Betrieb, in der Phase der Stilllegung und des sicheren Einschlusses von Brennelementfabriken



Die Nachweisgrenzen sind so festzulegen, dass für die Dosisbeiträge durch Inhalation 60% und durch Ingestion 30% der Dosisgrenzwerte des § 47 Abs. 1 StrlSchV sicher nachgewiesen werden können. Dies kann als erfüllt angesehen werden, wenn die Nachweisgrenzen gemäß Tabelle B.10 eingehalten werden. Die Nachweisgrenze für Direktstrahlung aus der Anlage wird auf 0,5 mSv/a für Neutronenstrahlung und 0,1 mSv/a für Gammastrahlung festgelegt.



B.3.4.2 Messungen im Störfall/Unfall



Für Messungen im Störfall/Unfall sind Nachweisgrenzen und Messbereiche so festzulegen, dass einerseits ein lückenloser Übergang von den Messungen im bestimmungsgemäßen Betrieb erreicht wird und andererseits radiologische Auswirkungen aus Ereignissen erfasst werden, die als kerntechnischer Störfall bzw. Unfall mit einem Dosisniveau > 5mSv einzustufen sind. Dies kann als erfüllt angesehen werden, wenn die Nachweisgrenzen/Messbereichsendwerte gemäß Tabellen B.3 und B. 4 eingehalten werden.



B.3.5 Qualitätskontrolle durch Vergleichsanalyse



Der Genehmigungsinhaber und die unabhängigen Messstellen haben sich zur Kontrolle ihrer Analysen und Messverfahren an den entsprechenden Ringversuchen zu beteiligen, die von den Leitstellen „Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen“ in Zusammenarbeit mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt durchgeführt werden. Die Durchführung der Ringversuche wird von den Leitstellen so abgestimmt, dass mit jedem Ringversuch möglichst alle gleichartigen Messverfahren erfasst werden.



B.4 Dokumentation und Berichterstattung



Die Dokumentation und die Berichterstattung der Messergebnisse hat entsprechend den Vorgaben im allgemeinen Teil dieser Richtlinie (Abschnitt 5) zu erfolgen. Schemata der Berichtsbögen über die Ableitung radioaktiver Stoffe mit Luft und Wasser beinhalten die Tabellen B.11 und B.12 dieses Anhangs zur Richtlinie.