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BMELV-315-20080603-KF03-A001b.htm

Zum Hauptdokument : Allgemeine Verwaltungsvorschrift über Grundsätze zur Durchführung der amtlichen Überwachung der Einhaltung der Vorschriften des Lebensmittelrechts, des Rechts der tierischen Nebenprodukte, des Weinrechts, des Futtermittelrechts und des Tabakrechts (AVV Rahmen-Überwachung – AVV RÜb)







Anlage 1b
(zu § 6 Absatz 1 Satz 2 Nummer 2, Absatz 2 Satz 1 und Absatz 3 Nummer 2)





Anforderungen an ein System zur Ermittlung
der risikoorientierten Häufigkeit amtlicher Kontrollen von Futtermittelbetrieben





Einstufung in Risikobetriebsarten


Zur Durchführung der amtlichen Kontrolle sind die zu kontrollierenden Betriebe zunächst in Risikobetriebsarten (RBA) einzustufen und die Kontrollhäufigkeit durch die Überwachungsbehörden der Länder auf der Grundlage einer Risikobeurteilung zu ermitteln. Die Einstufung ist für jeden Betrieb zu dokumentieren und fortzuschreiben.



In die Risikobeurteilung fließen in Abhängigkeit von den der zuständigen Behörde vorliegenden Informationen die folgenden Beurteilungsmerkmale ein:



a)
die Betriebsart,


b)
der Produktions- und Handelsumfang, das Vertriebsgebiet,


c)
die Anzahl kritischer Rezepturwechsel,


d)
die Verderblichkeit des Produktes, Rezepturarten,


e)
die Herkunft der Ausgangserzeugnisse,


f)
die Produktion und die Behandlung,


g)
der bauliche und technische Zustand der Produktions-, Lagerungs-, Behandlungs- und Transporteinrichtungen sowie der Hygienezustand und die Wartung,


h)
die Bewertung des Verschleppungsrisikos,


i)
eventuelle, potentielle Kontaminationsmöglichkeiten mit Stoffen, die keine Futtermittel sind,


j)
die Dokumentation und die Rückverfolgbarkeit,


k)
die Aktualität und die Anwendung des HACCP-Systems,


l)
die betrieblichen Eigenkontrollen (Wareneingangs- und Produktausgangskontrollen), die interne Betriebsorganisation,


m)
eventuelle Beanstandungen und Produktrückrufe,


n)
das Verhalten des Unternehmers (Mängelbeseitigung, Reaktion auf Beanstandungen, Ergreifen von Abhilfemaßnahmen, Kooperationsbereitschaft),


o)
die Ergebnisse amtlicher Futtermitteluntersuchungen und


p)
die Ergebnisse aus Inspektionen.




Beispielmodell zur risikoorientierten Beurteilung von Futtermittelbetrieben


2.1
Zweck und Anwendung


Das vorliegende Beispielmodell eines Risikobeurteilungssystems dient als Instrument zur Bewertung des individuellen betriebsspezifischen Risikos eines Futtermittelunternehmens im Sinne des § 3 Nummer 10 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches (LFGB) im Hinblick auf die Einhaltung futtermittelrechtlicher Vorschriften insbesondere unter Berücksichtigung potentieller gesundheitlicher Gefahren für Mensch oder Tier.



Dabei ergibt sich das Risiko, das von einem Futtermittelunternehmen ausgeht, aus der entsprechenden RBA sowie einer individuellen Bewertung anhand der vier Hauptmerkmale, nämlich



a)
Produktions-/Handelsmenge und Produktionsspektrum (I),


b)
Produktions- und Betriebsstruktur (II),


c)
betriebliche Eigenverantwortung (III) und


d)
Bewertung von Ergebnissen aus der amtlichen Futtermittelüberwachung (IV).


Das so ermittelte betriebsspezifische Risiko (Gesamtrisiko RB), dargestellt als Gesamtpunktzahl in einer Skala von 0 bis 250, bestimmt die Häufigkeit von Kontrollfrequenzen für Inspektionen. In Verbindung mit der zusätzlichen, risikoorientiert durchgeführten amtlichen Entnahme von Futtermittelproben findet die nach Artikel 3 der Verordnung (EG) Nr. 882/2004 geforderte risikoorientierte Durchführung von amtlichen Kontrollen damit ihre Umsetzung.



Die Durchführung der Risikobeurteilung obliegt der zuständigen Fachbehörde für den Vollzug des Futtermittelrechts. Bewertet werden alle Futtermittelunternehmen im Sinne des § 3 Nummer 10 LFGB. Bezogen auf einzelne Unternehmen können ggf. mehrere Betriebsstätten vorhanden sein, die jeweils gesondert zu bewerten sind.



2.2
Aufbau


Die Bewertung eines betrieblichen Risikos erfolgt in einem zweistufigen System, der Kombination aus Risikobetriebsart (RBA, siehe Anhang 1) und individueller Beurteilung eines Betriebes (RI) mit Hilfe der vier Hauptmerkmale. Über das beschriebene Punktesystem wird das Gesamtrisiko (RB), ausgedrückt als Risikopunktzahl eines Betriebes, ermittelt. Aus dieser Risikopunktzahl des jeweiligen Betriebes kann die Risikoklasse und damit die Kontrollfrequenz dieses Betriebes bestimmt werden (Anhang 2).



2.3
Durchführung


2.3.1
Grundsätzliches


Die Risikobeurteilung eines Betriebes ist nach jedem Betriebsbesuch zu ergänzen und zu aktualisieren und in das Risikobeurteilungssystem einzupflegen. Insbesondere Änderungen der Risikobetriebsart, die sich ggf. aus einem veränderten Tätigkeitsspektrum ergeben können, müssen aktualisiert werden.



2.3.2
Ersteinstufung


Alle Betriebe werden anhand ihres Tätigkeitsprofils (ermittelt aus Zieltiergruppe, Produkt und Tätigkeit) in eine Risikobetriebsart eingestuft. Mit Ausnahme der Unternehmen aus den Risikobetriebsarten 4 und 5 wird dem angemeldeten Betrieb in den einzelnen Bewertungspunkten jeweils die geringste Punktzahl (= Startpunktzahl der jeweiligen Risikobetriebsart, SRBA) zugeordnet, sofern nicht bereits weitere Erkenntnisse vorliegen. Aufgrund des besonderen Risikopotentials, das von Betrieben der Risikobetriebsarten 4 und 5 ausgeht, erhalten diese Betriebe jeweils die höchste Punktzahl, sofern nicht bereits weitere Erkenntnisse vorliegen.



2.3.3
Festlegung der Risikobetriebsart (RBA)


2.3.3.1
Standardeinstufung


Die Risikobetriebsart eines Futtermittelunternehmens orientiert sich am Risikopotential der durchgeführten Tätigkeiten im Bereich der Erzeugung, der Herstellung, der Lagerung, des Transports, des Inverkehrbringens sowie der Verwendung von Futtermitteln für Nutz- und Heimtiere.



Diese Zuordnung von Tätigkeiten in eine RBA erfolgt in Anlehnung an den zwischen Bund und Ländern abgestimmten Kodierkatalog der nach Artikel 19 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 183/2005 anzugebenden Tätigkeiten (vgl. Anhang 1). Dieser Kodierkatalog kann in einem EDV-System zur Erstellung des Verzeichnisses von registrierten und zugelassenen Betrieben hinterlegt sein. In dem hier beschriebenen System wird den Tätigkeitsarten eine entsprechende Risikobetriebsart anhand der in Anhang 1 dargestellten Vorgaben zugewiesen. Bei mehreren Tätigkeiten ist grundsätzlich diejenige Betriebsart einzusetzen, von der das höchste Risiko ausgeht. Es gibt fünf mögliche RBA, wobei der RBA 1 das kleinste, der RBA 5 das größte Risiko zugesprochen wird (vgl. Anhang 2). Jeder RBA ist eine Startpunktzahl (SRBA) sowie ein Punktefenster/Intervall (IRBA) vorgegeben. Durch die Festlegung der RBA bzw. der Startpunktzahl wird die Kontrollfrequenz wesentlich beeinflusst.



2.3.3.2
Anpassung der Standardeinstufung und Bewertung des Heimtierfutterbereichs


Aufgrund von Merkmalen bestimmter Tätigkeitsarten, die möglicherweise ein höheres oder auch geringeres Risiko hervorbringen als bei der standardmäßigen Einstufung berücksichtigt werden kann, sind in Einzelfällen Korrekturen notwendig (siehe Anhang 1).



Aufgrund der Besonderheiten im Heimtierfutterbereich wird bei der Einstufung in die RBA eine Korrektur vorgenommen. Sofern ein Unternehmen ausschließlich Futtermittel für Heimtiere erzeugt oder in Verkehr bringt (Gefährdungspotential auf die menschliche Gesundheit ist hier nicht gegeben), wird die standardmäßige vorgegebene RBA immer um eine Stufe herabgesetzt. Dadurch wird den unterschiedlichen Risiken der Zieltiergruppen Rechnung getragen.



2.3.4
Hauptmerkmale – Risikopunkte – Punktevergabe – individuelles Risiko


Zur Bewertung der individuell erreichten Punktzahl (RI) stehen vier Hauptmerkmale (Produktions-/Handelsmenge und Produktionsspektrum (I), Produktions- und Betriebsstruktur (II), Betriebliche Eigenverantwortung (III) und Bewertung von Ergebnissen aus der amtlichen Futtermittelüberwachung (IV)) zur Verfügung, die jeweils wiederum in bis zu sieben Risikofaktoren unterteilt sein können. Jeder dieser Risikofaktoren besitzt maximal fünf Bewertungs- oder Risikostufen (0 bis 4). Durch die Auswahl einer Stufe wird die jeweils entsprechend dem nachfolgenden Schema hinterlegte Punktzahl festgelegt. In einigen Fällen sind Entscheidungsfelder (ja/nein) auszuwählen, denen ebenfalls eine entsprechende Punktzahl hinterlegt ist. Die Risikofaktoren sind aus den in Punkt 3.5 beschriebenen Gründen gewichtet, was von einem EDV-Programm automatisch unterstützt werden kann.



Zur Verdeutlichung und zur Objektivierung werden nachfolgend die Risikofaktoren innerhalb der Hauptmerkmale näher beschrieben. Diese Beschreibungen sollen die Auswahl der jeweiligen Risikostufe bzw. Punktzahl erleichtern. Die Bewertung erfolgt damit nach individueller Betriebskenntnis anhand eines standardisierten Bewertungsverfahrens. Grundsätzlich gilt, dass je höher das Risiko, desto höher die zu wählende Risikostufe bzw. Punktzahl ist.





Hauptmerkmal I: Produktions-/Handelsmenge und Produktionsspektrum



Risikofaktor

Risikostufe
(= Punkte)

Kriterium

Beschreibung

I.1
Produktionsumfang und -spektrum

0

< 3 000

t



Je größer der Produktionsumfang, desto mehr Futtermittel und Abnehmer sind betroffen, desto höher also das Risiko. Die auszuwählende Risikostufe richtet sich nach den Produktions-/Handelsmengen des Betriebs. Um dabei dem unterschiedlichen Risiko verschiedener Produkte Rechnung zu tragen, werden für die Ermittlung der vergleichenden Produktionsmenge zunächst die produzierten/gehandelten Mengen unter Anwendung eines produktspezifischen Faktors berechnet. Je Menge in Verkehr gebrachtes Produkt ist dabei mit folgenden Faktoren zu multiplizieren:

1

3 000

bis

10 000

t

2

10 000

bis

50 000

t

3

50 000

bis

100 000

t

4


> 100 000

t

 

Einzelfuttermittel:

x

0,1

 

Mischfuttermittel:

x

1

 

Mineralfuttermittel:

x

10

 

Vormischungen:

x

20

 

Zusatzstoffe:

x

50

Die sich daraus ergebenden Mengen (in t) werden bei der Einstufung in die jeweilige Risikostufe zugrunde gelegt. Bei verschiedenen Produkten sind die jeweilig errechneten Mengen zu summieren. Der errechnete Wert dient der Einstufung in die jeweilige Risikostufe.

I.2
Handelsumfang

0

< 3 000

t



Je größer der Handelsumfang, desto mehr Futtermittel und Abnehmer sind betroffen, desto höher also das Risiko. Die auszuwählende Risikostufe richtet sich nach den Handelsmengen des Betriebs. Um dabei dem unterschiedlichen Risiko verschiedener Produkte Rechnung zu tragen, werden für die Ermittlung der vergleichenden Produktionsmenge zunächst die gehandelten Mengen unter Anwendung eines produktspezifischen Faktors berechnet. Je Menge in Verkehr gebrachtes Produkt ist dabei mit folgende Faktoren zu multiplizieren:

1

3 000

bis

10 000

t

2

10 000

bis

50 000

t

3

50 000

bis

100 000

t

4



> 100 000

t

 

Einzelfuttermittel:

x

0,1

 

alle anderen:

x

1

Die sich daraus ergebenden Mengen (in t) werden bei der Einstufung in die jeweilige Risikostufe zugrunde gelegt. Bei verschiedenen Produkten sind die jeweils errechneten Mengen zu summieren. Der errechnete Wert dient der Einstufung in die jeweilige Risikostufe.

I.3
Vertriebsgebiet

0

< 50 km

Je größer das Vertriebsgebiet, desto mehr Abnehmer/Tiere/Länder sind betroffen, desto höher also das Risiko. Die Auswahl der Risikostufe erfolgt anhand der vorgegebenen Gebiete.

1

landesweit

2

national
(innerhalb der BRD)

3

europaweit

4

weltweit

I.4
Kritische Produktwechsel je Produktionslinie/Verschleppungsrisiko

0

keine

Herstellung ohne kritische Produktwechsel (z.B. wenn nur für eine Tierkategorie wie z.B. Legehennen hergestellt wird). Hierzu gehört auch z.B. das Herstellen von einem oder mehreren Einzelfuttermitteln, einer Vormischung oder eines Zusatzstoffes

Gilt nur für Hersteller. Produktwechsel können das Risiko von Verschleppungen insbesondere von kritischen Stoffen erhöhen. Für die Bewertung ist es jedoch entscheidend, welche Mischungen in der jeweiligen Linie produziert werden.
Je mehr verschiedene Futtermitteltypen mit kritischen Stoffen pro Linie hergestellt werden, desto größer ist das Risiko. Die höchste Risikostufe betrifft Produktionslinien, die alle Mischfuttertypen inkl. des Einsatzes von Kokzidiostatika beinhalten.

1

wenig kritisch

Herstellung unter Verwendung von Mineralfuttermitteln oder Herstellen ausschließlich gleichartiger Vormischungen (z.B. nur unterschiedliche Konzentrationen) oder gleichartiger Zusatzstoffe (z.B. nur Aromastoffe, Bindemittel/Fließhilfsstoffe...)

2

mäßig kritisch

Herstellung unter Verwendung von Zusatzstoffen und/oder Vormischungen oder es werden nicht ausschließlich gleichartige Vormischungen hergestellt (z.B. Vitaminvormischungen und Spurenelementvormischungen)

3

kritisch

Herstellung von Ergänzungsfuttermitteln und Alleinfuttermitteln mit und ohne Kokzidiostatika oder Herstellung nicht ausschließlich gleichartiger Zusatzstoffe (z.B. Vitamine und Spurenelemente)

4

sehr kritisch

Herstellung von Ergänzungsfuttermitteln (einschl. Mineralfuttermitteln) und Alleinfuttermitteln mit und ohne Kokzidiostatika oder Herstellung von mehreren Zusatzstoffen, deren Verschleppung Auswirkungen auf die Sicherheit des Futtermittels hat (z.B. unterschiedliche Kokzidiostatika)

I.5
Rezepturarten

0

nur Standardmischungen

Die Herstellung von Auftrags- bzw. Sondermischungen birgt gegenüber den Standardmischungen ein höheres Risiko.

2

auch Auftragsmischungen

4

überwiegend Auftragsmischungen (mehr als 75 % der Gesamtproduktion)

I.6
Herkunft der Erzeugnisse/Zusatzstoffe

0

aus EU-Mitgliedstaaten

Ausgangserzeugnisse oder Zusatzstoffe bestimmter Herkunft können die Qualität des Mischfuttermittels beeinträchtigen und bergen je nach Herkunft unterschiedliche gesundheitsgefährdende Risiken. Die Wahl der Risikostufe richtet sich daher nach problematischen Herkünften. Das höchste Risiko wird Herkünften mit bekannter Rückstandsproblematik zugesprochen. Eine Liste kritischer Herkünfte wird anhand der Meldungen aus dem EU-RASFF und ggf. anderen Informationsquellen erstellt und regelmäßig aktualisiert.


1

pflanzliche Einzelfuttermittel aus Drittländern

Drittländer = Nicht-EU-Staaten

2

sonstige Erzeugnisse aus Drittländern

3

Stufe ist standardmäßig nur unter Angabe einer Begründung auswählbar!

4

kritische Erzeugnisse aus Ländern mit bekannter Rückstandsproblematik


I.7
Verderblichkeit des Produktes

0

nein

Leicht verderbliche Produkte können zu einer Anreicherung von Mikroorganismen und ggf. zur Bildung von gesundheitsschädlichen Stoffen (z.B. Mykotoxine) führen. Das kann ein höheres Risiko darstellen.

Werden überwiegend leicht verderbliche Produkte erzeugt?

3

ja





Hauptmerkmal II: Produktions- und Betriebsstruktur



Risikofaktor

Risikostufe
(= Punkte)

Kriterium

Beschreibung

II.1
Produktion/Behandlung

0

vollständig automatisiert

Eine automatisierte Produktion ist eher geeignet, Futtermittel gleich bleibender Qualität zu erzeugen. Je mehr manuell beeinflusste Arbeitsgänge, desto höher das Risiko von Qualitätsschwankungen und Fehlmischungen.

Vollst. automatisierter Betrieb ist z.B. gekennzeichnet durch:

kritische Chargenabfolgen d. EDV-Programm gesperrt
Mikrokomponenten-Dosieranlage für Zusatzstoffe/Vormischungen
technische Vermeidung von Fehlzugaben
vollautomatische Absackung inkl. Kennzeichnung

(1)

Stufe standardmäßig nur unter Angabe einer Begründung auswählbar!

zwischen vollständig und wenig automatisiert

2

wenig automatisiert, mit Handzugabe

Betrieb wenig automatisiert; einige Arbeitsvorgänge manuell (Handzugabe)

(3)

Stufe standardmäßig nur unter Angabe einer Begründung auswählbar!

zwischen wenig automatisiert und vorwiegend manuell

4

vorwiegend manuelle Arbeitsgänge

Betriebe mit vorwiegend manuell beeinflussten Arbeitsgängen, z.B.:

Entnahme/Abwaage/Zugabe von Zusatzstoffen von Hand
Absacken, Kennzeichnen von Hand
kein EDV-System zur Sperrung kritischer Chargenabfolgen

II.2
Baulicher und technischer Zustand der Produktions-/Lager-/Behandlungs-/Transporteinrichtungen/Hygienezustand/Wartung

0

sehr gut

Nicht optimal auf die Betriebsabläufe ausgerichtete bauliche und technische Einrichtungen sowie schadhafte und verunreinigte Gebäude-/Lager- und Produktionseinrichtungen stören den Produktionsprozess und erhöhen das Risiko von nachteiligen Effekten auf das erzeugte Futtermittel. Es erfolgt eine Bewertung des gegebenen baulichen und technischen Zustandes der Produktions- und Betriebsstätten. Dazu gehört auch der innerbetriebliche Transport der eingesetzten Erzeugnisse sowie Produkte. Werden Instandhaltungs-/und Wartungsmaßnahmen angemessen durchgeführt? Zeigt der Unternehmer Investitionsbereitschaft, um entsprechende Zustände zu verbessern bzw. zu optimieren? Werden den Tätigkeiten des Unternehmens angepasste Prüfungen der Misch- und/oder Herstellungsvorgänge (z.B. Wägegenauigkeit, Mischhomogenitätsuntersuchungen, etc.) durchgeführt? Liegen entsprechende Reinigungspläne vor? Besteht ein effektives Schädlingsbekämpfungssystem?

Sehr guter Zustand aller Produktionsanlagen (kurze Wege, keine Überhebungen, optimale Wartungsintervalle, technische Anlagen in opt. Zustand, baulicher und technischer Zustand bietet umfassenden Schutz vor Kontaminationen); sofortige und umfassende Instandhaltungsmaßnahmen ohne zeitliche Verzögerung, ggf. betriebsspezifischer und den Tätigkeiten angemessener Nachweis der Mischhomogenität vorhanden, Überprüfung wird regelmäßig durchgeführt, betriebsbezogene Reinigungspläne vorhanden, werden regelmäßig umgesetzt; Schädlingsbekämpfung betriebsspezifisch angepasst und organisiert

1

gut

Anordnung und Zustand der Anlagen und Einrichtungen gut, Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen werden durchgeführt, ggf. betriebsspezifischer und den Tätigkeiten angemessener Nachweis der Mischhomogenität vorhanden, Reinigungspläne vorhanden; Schädlingsbekämpfung wird durchgeführt; Hygienezustand gut

2

mäßig

Anordnung und Zustand der Anlagen und Einrichtungen mäßig, Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen werden in der Regel rechtzeitig durchgeführt, Hygienezustand befriedigend, Nachweis der Mischhomogenität vorhanden, entspricht aber nicht vollständig den ausgeübten Tätigkeiten

3

schlecht

Anordnung der Anlagen und Einrichtungen teilweise ungünstig, Zustand schlecht und mit problematischen Bereichen, Hygienezustand ausreichend, Nachweis der Mischhomogenität vorhanden, entspricht aber nicht den ausgeübten Tätigkeiten

4

sehr schlecht

Anordnung der Anlagen und Einrichtungen überwiegend ungünstig (lange Transportwege, häufige Überhebungen, meist mechanisch); Zustand mangelhaft; hohe Gefahr der Entmischung/Verschleppung, mangelnde oder fehlende Instandhaltungs- und Wartungsmaßnahmen; Gefahr von Kontaminationen hoch; hygienische Bedingungen mangelhaft; kein Nachweis der Mischhomogenität vorhanden

II.3
Kontaminationsmöglichkeiten mit/Verschleppungsrisiko von „Nicht-Futtermitteln“

0

nein

Besteht die Gefahr der Verunreinigung der eingesetzten Erzeugnisse oder erzeugten Produkte durch Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel, Biozide oder andere „Nicht-Futtermittel-Stoffe“?

3

ja





Hauptmerkmal III: Betriebliche Eigenverantwortung



Risikofaktor

Risikostufe
(= Punkte)

Kriterium

Beschreibung

III.1
Dokumentation/ Rückverfolgbarkeit/ Produktrückruf

0

Dokumentation geht über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus, Rückverfolgbarkeit gewährleistet

Umfassende Dokumentation der Warenströme und Produktionsprozesse sowie Rückstellproben gewährleisten die Rückverfolgbarkeit. Ein etabliertes und funktionierendes Produktrückrufsystem minimiert Zeitverluste im Worst-Case-Fall. Die Dokumentation von Arbeits- und Verfahrensabläufen schafft ein standardisiertes Produktionsverfahren, die Fehlersuche im Problemfall wird erleichtert.

System zur Rückverfolgbarkeit betriebsspezifisch angepasst, angemessen und im praktischen Test jederzeit unverzüglich anwendbar; auch innerbetriebliche Rückverfolgbarkeit gewährleistet; Dokumentation betriebsintern (z.B. Rezepturen, Mischprotokolle, Deklarationen, Warenausgang) und -extern (z.B. Herkunft Rohwaren, Daten Lieferanten sowie Kunden) transparent und nachweisbar; erfasst alle relevanten Betriebsabläufe, System sinnvoll und betriebsspezifisch erweitert; Rückstellproben vorhanden, eindeutig identifizierbar und schnell auffindbar

Ungenügende oder nicht systematisch durchgeführte (angemessene) Dokumentation verzögert oder verhindert eine effektive Rückverfolgbarkeit, ein rasches Handeln zur Fehlerbehebung und erhöht damit das Risiko. Gesetzliche Anforderungen enthalten z.B. Artikel 18 Verordnung (EG) Nr. 178/2002, Anhang II Verordnung (EG) Nr. 183/2005

2

Dokumentation erfüllt alle gesetzlichen Vorschriften, Rückverfolgbarkeit gewährleistet

Rückverfolgbarkeitssystem im praktischen Test funktionsfähig, Rückstellproben vorhanden, Dokumentation erfüllt Vorschriften; darüber hinaus gehende Anpassung an betriebsspezifischen Produktionsprozess nur bedingt durchgeführt

4

Vorlage geforderter Dokumente nur mit Zeitverzögerung; Rückverfolgbarkeit ungenügend

System der Rückverfolgbarkeit ungenügend/mit Plausibilitätsmängeln; Dokumentation ungenügend; Rückstellproben unvollständig

III.2
Aktualität und Anwendung des HACCP-Konzepts

0

alle Anforderungen erfüllt, Aktualität nachgewiesen

Das im Betrieb vorliegende Konzept berücksichtigt alle gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen, ist dabei funktionstüchtig und betriebsspezifisch angepasst. Eine regelmäßige Aktualisierung und Weiterentwicklung wird durchgeführt.

Gefahrenanalyse angemessen und umfassend durchgeführt und evtl. vorhandene Kontrollpunkte (CP) sowie kritische Kontrollpunkte (CCP) festgelegt; Verfahren zur Überwachung der CCP ist vorhanden; Grenzwerte als Auslösewerte und Maßnahmen zur ggf. Behebung sind festgelegt; zuständiges Personal ist bestimmt, das regelmäßig geschult wird; das operative Betriebspersonal kennt die CPs und CCPs und ist über deren Kontroll- und Beherrschungsmaßnahmen informiert; Arbeitsanweisungen liegen arbeitsplatznah vor, sind bekannt und werden berücksichtigt; Verifizierungssystem für alle im Konzept durchgeführten Maßnahmen ist vorhanden; Dokumentation aller Verfahren und Maßnahmen; Konzept wird regelmäßig aktualisiert und an Veränderungen (z.B. im Produktionsprozess) angepasst

Betriebe mit ungenügendem Eigenkontrollsystem stellen ein höheres Risiko dar, da Fehler im Produktionsablauf nicht oder zu spät erkannt werden.

Futtermittelunternehmer auf der Stufe der Primärproduktion nach Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 183/2005 erhalten hier standardmäßig die Risikostufe 0.

2

Anforderungen weitestgehend erfüllt, jedoch verbesserungswürdig

das operative Betriebspersonal kennt die CPs und CCPs teilweise und ist über deren Kontroll- und Beherrschungsmaßnahmen nur mäßig informiert; Arbeitsanweisungen liegen nicht griffbereit vor, sind nur mäßig bekannt und werden nicht immer berücksichtigt

4

Anforderungen nicht erfüllt, nicht angemessen funktionsfähig

HACCP ist nicht plausibel, Konzept nicht an tatsächlichen Betriebsstrukturen und -tätigkeiten ausgerichtet; erforderliche Grenzwerte fehlen, erforderliche Kontrollmaßnahmen werden nicht durchgeführt, kein effektives Verifizierungssystem vorhanden; das operative Betriebspersonal kennt die CCPs nicht und ist über deren Kontroll- und Beherrschungsmaßnahmen nicht informiert; Arbeitsanweisungen liegen nicht vor, sind unbekannt

III.3
Betriebliche Eigenkontrollen (Wareneingangs- und Produktausgangskontrollen)

0

werden risikoorientiert und angemessen häufig durchgeführt; übertrifft branchenspezifische Anforderungen an Qualitätssicherungsverfahren

Die Qualität der eingesetzten Rohwaren bestimmt nachhaltig die Qualität des erzeugten Produktes. Eigene Produktkontrollen dienen der Qualitätssicherung in der Produktion. Neben der Anzahl der durchgeführten Kontrollen (sensorisch, chemisch, mikrobiologisch) wird hier die risikoorientierte Durchführung (Auswahl der Untersuchungsparameter; Kontrollintervalle) bewertet. Als Maßstab dienen hier branchenspezifische Anforderungen an Qualitätssicherungsverfahren (z.B. die im „QS-Prüfsystem“ QS-Leitfaden Futtermittelmonitoring formulierten Kontrollpläne für die jeweiligen Betriebsarten).


2

Umfang der Eigenkontrollen entspricht branchenspezifischen Anforderungen an Qualitätssicherungsverfahren

branchenspezifische Vorgaben erfüllt

4

keine risikoorientierte Eigenuntersuchungen, lediglich unspezifische Warenbegleitpapiere

Untersuchungen werden nicht risikoorientiert durchgeführt (es werden ausschließlich unproblematische Parameter erfasst, sporadisch, ohne System) oder es wird vollständig auf Eigenkontrollen verzichtet

III.4
Verhalten des Unternehmers (Mängelbeseitigung, Reaktion auf Beanstandungen, Ergreifen von Abhilfemaßnahmen, Kooperationsbereitschaft)

0

sehr gut

Betriebe, die eine hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der zuständigen Behörde zeigen, die Beanstandungen ernst nehmen, eigeninitiativ Ursachenforschung betreiben und umgehend Abhilfemaßnahmen einleiten, stellen ein geringeres Risiko dar als Betriebe, die lediglich „oberflächlich“ oder nur nach wiederholter Aufforderung oder gar erst nach Androhung oder Durchführung von Zwangsmaßnahmen tätig werden.

Eigeninitiativ, sofort, umfassend; mit Vorbeugemaßnahmen; umfassende Abhilfemaßnahmen sowie ggf. sinnvolle vorbeugende Maßnahmen zur zukünftigen Vermeidung werden eigeninitiativ und unverzüglich eingeleitet; Kommunikation bzw. Informationsweitergabe an zuständige Behörde erfolgt zeitnah

1

gut

sofort, Reaktion des Betriebes erfolgt in angemessener Zeit, ausreichende Abhilfemaßnahmen werden eingeleitet; Kommunikation bzw. Informationsweitergabe an zuständige Behörde erfolgt mit zeitlicher Verzögerung

2

mäßig

Betrieb reagiert mit zeitlichem Verzug oder erst nach Aufforderung

3

schlecht

Nach wiederholter Aufforderung, mit deutlichem zeitlichem Verzug und/oder nur mit minimalem Aufwand

4

sehr schlecht

Erst nach schriftlicher Aufforderung und unter Androhung von Zwangsmaßnahmen; Betrieb reagiert gar nicht oder nur mit minimalem Aufwand; falsche Maßnahmen werden ergriffen; es wird keine umfassende Problemanalyse durchgeführt und es werden keine Vorsorgemaßnahmen getroffen; Betrieb zeigt nur wenig/keine Eigeninitiative und geringes „Problembewusstsein“; Informationsweitergabe an zuständige Behörde nur widerwillig

III.5
Interne Betriebsorganisation

0

gut

Bewertet werden hier Besonderheiten in der innerbetrieblichen Organisation. Dazu gehören z.B. Personalmanagement (häufig wechselnde Zuständigkeiten, innerbetrieblicher Informationsfluss, Qualifikation des Personals, hohe Personalfluktuation, Qualität der Einarbeitung, Fortbildungsbereitschaft), häufige Lieferantenwechsel, ggf. privatwirtschaftliche Zertifizierungs-, Akkreditierungssysteme, sowie den Tätigkeiten des Unternehmens angepasste Prüfungen der Misch- und/oder Herstellungsvorgänge (z.B. Wägegenauigkeit, Mischhomogenitätsuntersuchungen...)

gut eingearbeitetes Stammpersonal mit angemessener Qualifikation, eigene Lieferantenaudits mit Prüfung des Lieferanten vor Ort liegen vor; hohe Zuverlässigkeit; nur selten Rücksendung bezogener Waren; Betrieb gut strukturiert/organisiert

2

mäßig

innerbetriebliche Organisation weist in einigen der beschrieben Punkte Schwächen auf

4

schlecht

häufige Personalwechsel, Hilfskräfte ohne fachliche Qualifikation bzw. ohne angemessene Einarbeitung, günstigster Anbieter kommt zum Zug, keine Informationen zu Zuverlässigkeit; Abfälle/Unrat/nicht mehr benötigte Gerätschaften stehen im Produktionsbereich





Hauptmerkmal IV: Bewertung von Ergebnissen aus der amtlichen Futtermittelüberwachung



Risikofaktor

Risikostufe
(= Punkte)

Kriterium

Beschreibung

IV.1
Ergebnisse amtlicher Futtermitteluntersuchungen

0

sehr gut

Zur Risikobetrachtung gehört die Bewertung bisher vorliegender Untersuchungsergebnisse aus der amtlichen Futtermittelüberwachung. Eine hohe Anzahl an Beanstandungen lässt auf mangelnde Sorgfalt schließen. Entscheidend ist dabei auch, welche Art von Verstößen vorliegt (Kennzeichnung, Höchstgehaltsüberschreitung, Gesundheitsgefährdung). Als ein Parameter zur Einschätzung kann z.B. die relative Beanstandungsquote herangezogen werden. In diesem Fall sind jedoch immer die Betrachtung innerhalb der jeweils vorliegenden RBA, sowie vergleichbare Zeiträume und Probenzahlen zugrunde zu legen.

keine Beanstandungen

1

gut

wenig Beanstandungen und/oder lediglich Kennzeichnungsverstöße

2

befriedigend

durchschnittlich viele Beanstandungen und/oder Beanstandungen mit Abweichung vom deklarierten Gehalt

3

schlecht

viele Beanstandungen und/oder Beanstandungen mit Abweichung vom Höchstgehalt

4

sehr schlecht

sehr viele Beanstandungen und/oder Beanstandungen mit Gesundheitsgefährdung/Rückholung

IV.2
Ergebnisse aus Inspektionen

0

gut

Zur Risikobetrachtung gehört auch die qualitative Bewertung der Ergebnisse aus Inspektionen, die nicht in Hauptmerkmal II. und III. bewertet wurden. Z.B.:

es werden keine risikorelevanten Mängel festgestellt, evtl. Hinweise hatten belehrenden Charakter; evtl. früher vorgefundene Mängel wurden nachhaltig abgestellt

2

durchschnittlich

Wie häufig werden bei Inspektionen Mängel festgestellt?

es wurden vereinzelte Sachverhalte festgestellt, die unter ungünstigen Umständen risikorelevant sein können (z.B. Behältnisse sind nicht eindeutig beschriftet, Umgang mit Retouren unklar)

Wurden risikorelevante Sachverhalte festgestellt, die der Betrieb dringend selbst hätte erkennen müssen (z.B. Fehler in Produktionsmatrix, Unklarheiten im Umgang mit Retouren, eindeutige Beschriftung von Behältnissen,...)?

4

auffällig

es werden immer wieder Sachverhalte festgestellt, die risikorelevant sind oder sein können

Wurden Wiederholungsverstöße, das sind Verstöße, die in vorherigen Kontrollen bereits beanstandet und auch behoben wurden, bei einer weiteren Kontrolle jedoch wieder vorgefunden wurden, festgestellt?


2.3.5 Gewichtung der einzelnen Risikofaktoren



Um den verschiedenen Risikopotentialen Rechnung zu tragen, wird ein Multiplikator benutzt. Dabei steht der Faktor „1“ als Basis-Risiko für ein geringes Risikopotential, der Faktor „2“ für ein mittleres Potential, welches doppelt so hoch gewichtet ist, wie das Basis-Risiko und der Faktor „3“ für eine hohe Gewichtung (dreimal so hoch, wie das Basis-Risiko).



Gewichtung der Risikofaktoren



Risikofaktor

Gewichtung

I.1

Produktionsumfang und -spektrum

3

I.2

Handelsumfang

2

I.3

Vertriebsgebiet

2

I.4

Kritische Rezepturwechsel je Produktionslinie/Verschleppungsrisiko

3

I.5

Rezepturarten

1

I.6

Herkunft der Erzeugnisse/Zusatzstoffe

1

I.7

Verderblichkeit des Produktes

1

II.1

Produktion/Behandlung

1

II.2

Baulicher und technischer Zustand der Produktions-/Lager-/Behandlungs-/Transporteinrichtungen/Hygienezustand/Wartung

3

II.3

Kontaminationsmöglichkeiten mit/Verschleppungsrisiko von „Nicht-Futtermitteln“

1

III.1

Dokumentation/Rückverfolgbarkeit/Produktrückruf

1

III.2

Aktualität und Anwendung des HACCP-Konzepts

1

III.3

Betriebliche Eigenkontrollen

2

III.4

Verhalten des Unternehmers

2

III.5

Interne Betriebsorganisation

2

IV.1

Ergebnisse amtlicher Futtermitteluntersuchungen

2

IV.2

Ergebnisse aus Inspektionen

2



Die Gewichtung der Risikofaktoren ist durch den Anwender nicht veränderbar. Sofern Bedarf besteht (z.B. nach Revision des Risikobeurteilungssystems; bei Änderung der individuellen Gewichtung des Risikofaktors aufgrund neuerer Erkenntnisse) kann die Gewichtung angepasst werden. Dies darf jedoch nur mit hinterlegter Begründung durch einen entsprechend legitimierten Mitarbeiter in Abstimmung mit der für das Risikobeurteilungssystem zuständigen Einrichtung erfolgen. Die Anpassung der Gewichtung führt zu einer neuen Version der Risikobeurteilung aller Betriebe.



2.3.6
Berechnung des Gesamt-Risikos und der Kontrollfrequenz


2.3.6.1
Startpunktzahl und Intervall für Risikobetriebsarten


Risikobetriebsart
RBA

Startpunktzahl
SRBA

Intervall
IRBA

RBA 1

0

50

RBA 2

20

80

RBA 3

50

100

RBA 4

100

100

RBA 5

150

100



2.3.6.2
Berechnung des Gesamtrisikos RB für einen Betrieb


Die Berechnung der individuell erreichten Punktzahl (RI) ergibt sich aus der Summe der nach Nummer 2.3.5 gewichteten einzelnen Bewertungspunkte der Risikofaktoren.



Unter Berücksichtigung der Risikobetriebsart und der innerhalb dieser Betriebsart möglichen Spannweite (IRBA). kann das Gesamtrisiko eines Betriebes (RB) wie folgt ermittelt werden:



RB

=

SRBA

+

IRBA

RI

Rmax



RB:

Betriebsspezifisches Gesamt-Risiko

SRBA:

Startpunktzahl der jeweiligen Risikobetriebsart

IRBA

Intervall der jeweiligen Risikobetriebsart

RI:

individuell erreichte Punktzahl

Rmax:

maximal erreichbare Punktzahl z.B.

für Mischfutterhersteller:

118 Punkte

für reine Händler:

86 Punkte (da hier einige Risikofaktoren entfallen)



2.3.6.3
Zuordnung zu einer Risikoklasse/Kontrollfrist


Aus dem errechneten betriebsspezifischen Gesamt-Risiko RB lässt sich nachfolgend die Risikoklasse und damit die Kontrollfrequenz ablesen (siehe auch Anhang 2):



Risikoklasse

Gesamt-Risikopunktzahl (RB)

Kontrollfrequenz
(ohne Probenahme)

I

0

bis

40

> 3 Jahre

II

41

bis

80

alle

3

Jahre

III

81

bis

130

alle

2

Jahre

IV

131

bis

180

alle

12

Monate (einmal pro Jahr)

V

181

bis

210

alle

9

Monate

VI

211

bis

230

alle

6

Monate

VII

231

bis

250

alle

3

Monate



Wenn der sich aus der Risikobeurteilung ergebende nächste Kontrolltermin geändert wird, ist eine Begründung anzugeben.



Landwirtschaftliche Primärproduzenten können prinzipiell auch durch das vorliegende System beurteilt werden.





Anhang 1



Zuordnung der Risikobetriebsarten



I)
Einteilung in Risikobetriebsarten (RBA) in Anlehnung an den zwischen Bund und Ländern abgestimmten Kodierkatalog für im Verzeichnis der registrierten und zugelassenen Betriebe nach Artikel 19 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 183/2005 anzugebende Tätigkeiten


Grundannahme: 5 Risikobetriebsarten, dabei 1 = sehr geringes Risiko, 5 = höchstes Risiko


Tabelle 1: Zuordnung RBA allgemein


Code 1

Tätigkeit

Code 2

Futtermittelart

RBA

A

Futtermittelprimärproduktion und Tätigkeiten nach Artikel 5 Absatz 1 oder 2 der Verordnung (EG) Nr. 183/2005



1

B

Herstellen (zugelassen und registriert)
Artikel 10 der Verordnung (EG) Nr. 183/2005

1

Zusatzstoffe

4

2

Vormischungen

5

3

Einzelfuttermittel

4

4

Mischfuttermittel

5

C

Herstellen (nur registriert):
außer: Herstellen nicht zulassungsbedürftiger Einzelfuttermittel

1
2
4


4

C

Herstellen (nur registriert):
Herstellen nicht zulassungsbedürftiger Einzelfuttermittel

3


2

C

Trocknungsbetrieb (mit allg. Registrierung)

5


3 bzw.
siehe II.

C

Dekontaminationsbetrieb (mit allg. Registrierung)

6


3

D

Trocknen von Grünfutter, Lebensmitteln oder Lebensmittelresten, unter direkter Einwirkung der Verbrennungsgase



5 bzw.
siehe II.

E

Dekontaminieren (zugelassener Betrieb)



4

F

Inverkehrbringen (zugelassen und registriert) Artikel 10 der Verordnung (EG) Nr. 183/2005

1
2
3


2

G

Inverkehrbringen (nur registriert): außer: Inverkehrbringen nicht zulassungsbedürftiger Einzelfuttermittel

1
2
4


2

G

Inverkehrbringen (nur registriert):
Inverkehrbringen nicht zulassungsbedürftiger Einzelfuttermittel

3


1

H

Drittlandsvertreter (zugelassen und registriert)

1

Zusatzstoffe

4

2

Vormischungen

3

Einzelfuttermittel

3

4

Mischfuttermittel

I

Drittlandsvertreter (nur registriert)



3

J

Lagern



1

K

Transportieren



2



II)
Zuordnung der Risikobetriebsart für Trocknungsbetriebe


Abhängig von den eingesetzten Brennstoffen ergeben sich für Futtermittel-Trocknungsbetriebe unterschiedliche Risiken. Für Trocknungsbetriebe ist es deshalb erforderlich, genauere Angaben zum Betrieb zu machen. Sind die Merkmale noch nicht erfasst worden, dann wird die standardmäßig festgelegte RBA (siehe Tabelle 1) zugeordnet.


Tabelle 2: Zuordnung der RBA für Trocknungsbetriebe


Merkmal

RBA

Indirekte Trocknung

1

Direkte Trocknung mit

Gas (direkt, Gras + LM)

3

Heizöl (direkt, Gras + LM)

4

Feststoffen/Sonstiges (direkt, Gras + LM)

5

Gas (direkt, sonst. FM)

1

Heizöl (direkt, sonst. FM)

2

Feststoffen/Sonstiges (direkt, sonst. FM)

3



III)
RBA*: Korrekturen der RBA bei bestimmten Tätigkeiten/Produkten


Aufgrund von Merkmalen bestimmter Tätigkeitsarten, die ggf. ein höheres oder auch geringeres Risiko hervorbringen, als bei der standardmäßigen Einstufung berücksichtigt werden kann, sind in Einzelfällen Korrekturen notwendig.


Tabelle 3: Korrekturen bei RBA


Code 1

Tätigkeit

Code 2

besonderes Merkmal

RBA*

A
B
C

Gebrauch der Ausnahmeregelungen für WK und NWK nach Anhang IV der Verordnung (EG) Nr. 999/2001

1, 2
4
4

mit entsprechender Zulassung/Gestattung/Meldung nach der Verordnung (EG) Nr. 999/2001

RBA + 1

B

Herstellen (zugelassen u. registriert nach Artikel 10 Verordnung (EG) Nr. 183/2005) von Zusatzstoffen

1

Herstellung unter Verwendung von mindestens einem Kokzidiostatikum/Histomonostatikum

RBA + 1

C

Herstellen von Zusatzstoffen und Vormischungen (nur registriert)

1
2

Herstellung von ausschließlich Aromastoffen

RBA – 1

C

Herstellen von Mischfuttermitteln

4

Herstellung von ausschließlich einfachen Mischfuttermitteln

RBA – 1

F

Inverkehrbringen (zugelassen und registriert nach Artikel 10 Verordnung (EG) Nr. 183/2005) von Zusatzstoffen

1

Inverkehrbringen von mindestens einem Kokzidiostatikum/Histomonostatikum

RBA + 1



Darüber hinaus:


Korrektur bei allen Betrieben, deren Produktspektrum ausschließlich Nicht-Nutztierfutter umfasst. Korrektur: RBA* = RBA – 1.




Anhang 2



Kontrollfrequenzen




Punktzahl

0

1

2

3

4

Max.
Punkt-
zahl
inner-
halb
des
Para-
meters

Gewich-
tung

Max.
Punkt-
zahl
nach
Gewich-
tung

Risikofaktor

Risikostufe 0
(niedrig)

Risikostufe 1

Risikostufe 2

Risikostufe 3

Risikostufe 4
(hoch)



Hauptmerkmal I: Produktions-/Handelsmenge und Produktspektrum

I.1

Produktionsumfang/-spektrum produktspezifische Faktoren: EF: *0,1; Misch-FM: *1; MinFM: 10; VM: *20; ZS *50

< 3 000t

3 000 bis
10 000t

10 000 bis
50 000t

50 000 bis
100 000t

> 100 000t

4

3

12

I.2

Handelsumfang produktspezifische Faktoren: EF: *0,1; alle anderen FM: 1

< 3 000t

3 000 bis
10 000t

10 000 bis
50 000t

50 000 bis
100 000t

> 100 000t

4

2

8

I.3

Vertrieb

< 50 km

landesweit

national

europaweit

weltweit

4

2

8

I.4

Kritische Rezepturwechsel je Produktionslinie/Verschleppungsrisiko

keine
Herst. ohne
kritische Rezepturwechsel
(z.B. nur für
eine Tierkategorie)

wenig
kritisch
Herst. unter
Verwendung von
MinFM

mäßig kritisch
Herst.
unter Verwendung von ZS
und/oder
VM

kritisch
Herst. von
Erg-FM
und AF mit
und ohne
Kokzidiostatika

sehr
kritisch
Herst. von
MinFM und
ErgFM und
AF mit und
ohne Kokzidiostatika

4

3

12

I.5

Rezepturarten

nur Standardmischungen


auch Auftragsmischungen


überwiegend
Auftragsmischungen
(mehr als
75 % der
Gesamtproduktion)

4

1

4

I.6

Herkunft der Erzeugnisse/ZS

aus Mitgliedstaaten

pflanzliche
Einzelfuttermittel
aus Drittländern

sonstige
Erzeugnisse
aus
Drittländern

Die Stufe
ist standardmäßig
nur unter
Angabe
einer Begründung
auswählbar!

kritische
Produkte
aus Ländern
mit
bekannter
Rückstandsproblematik

4

1

4

I.7

Verderblichkeit des Produktes

nein



ja


3

1

3

Hauptmerkmal II: Produktions- und Betriebsstruktur

II.1

Produktion/
Behandlung

vollständig
automatisiert

Die Stufe
ist standardmäßig
nur unter
Angabe
einer Begründung
auswählbar!

wenig automatisiert,
mit Handzugabe

Die Stufe
ist standardmäßig
nur unter
Angabe
einer Begründung
auswählbar!

vorwiegend
manuelle
Arbeitsgänge

4

1

4

II.2

Baulicher und technischer Zustand der Produktions-/Lager-/Behandlungs-/Transporteinrichtungen/Hygienezustand/Wartung

sehr gut
keine Überhebungen/Förderung
nach
Mischvorgang
ausschl. über
Schwerkraft,
kurze Transportwege,
keine Verschleißanfälligkeit,
Mischgutachten
angemessen, Betriebshygiene
sehr gut,
Schädlingsbek.
betriebsspez.
und
effektiv

gut

mäßig

schlecht

sehr
schlecht
mehrere
Überhebungen,
lange
Transportwege,
hohe
Verschleißanfälligkeit,
kein Mischhomogenitätsnachweis,
mangelhafte
Hygiene, mangelhafte/fehlende
Schädlingsbekämpfung

4

3

12

II.3

Kontaminationsmöglichkeiten mit/Verschleppungsrisiko von „Nicht-Futtermitteln“

nein



ja


3

1

3

Hauptmerkmal III: Betriebliche Eigenverantwortung

III.1

Dokumentation und Rückverfolgbarkeit

Dokumentation
geht über die
gesetzlichen
Mindestanforderungen
hinaus, Rückstellproben
vorhanden und
schnell identifizierbar,
Rückverfolgbarkeit
gewährleistet


Dokumentation
erfüllt alle
gesetzlichen
Vorschriften,
Rückstellproben
vorhanden,
Rückverfolgbarkeit
gewährleistet


Vorlage geforderter
Dokumente
mit Zeitverzögerung,
Rückstellproben
unvollständig,
Rückverfolgbarkeit
ungenügend

4

1

4

III.2

Aktualität und Anwendung des HACCP

alle Anforderungen
erfüllt,
Aktualität
nachgewiesen


Anforderungen
weitestgehend
erfüllt,
jedoch
verbesserungswürdig


Anforderungen
nicht erfüllt,
nicht angemessen
funktionsfähig

4

1

4

III.3

Betriebliche Eigenkontrollen (Wareneingangs- und Produktausgangskontrollen)

werden risikoorientiert
und
angemessen
häufig durchgeführt;
übertrifft branchenspez.
Anforderungen


Umfang
der Eigenkontrollen
entspr.
branchenspez.
Vorgaben


keine risikoorientierten
Eigenuntersuchungen,
lediglich
unspezifische
Warenbegleitpapiere

4

2

8

III.4

Verhalten des Unternehmens (Mängelbeseitigung, Reaktion auf Beanstandungen, Ergreifen von Abhilfemaßnahmen)

sehr gut

gut

mäßig

schlecht

sehr
schlecht

4

2

8

III.5

interne Betriebsorganisation

gut


mäßig


schlecht

4

2

8

Hauptmerkmal IV: Bewertung von Ergebnissen aus der amtlichen Futtermittelüberwachung

IV.1

Ergebnisse amtlicher Futtermitteluntersuchungen

sehr gut
(keine Beanstandungen
BAs)

gut (wenig
BAs u/o
lediglich
Kennzeichn.verstöße)

befriedigend
(durchschnittlich
viele BAs
u/o BAs
mit Abw.
vom dekl.
Gehalt)

schlecht
(viele BAs
u/o BAs mit
Abw. vom
Höchstgehalt)

sehr
schlecht
(sehr viele
BAs u/o BA
mit Rückholung)

4

2

8

IV.2

Ergebnisse aus Inspektionen

gut


durchschnittlich


auffällig

4

2

8

maximal erreichbare Summe Rmax

118